Machen Bombardements Menschen zu Bestien
Georg Plank

Machen Bombardements Menschen zu Bestien?

Der niederländische Historiker Rutger Bregman stellte in seinem Buch „Im Grunde gut“ der uralten und vieldiskutierten Frage, ob der Mensch im Grunde schlecht oder im Grunde gut sei. Dabei beschäftigte er sich intensiv mit Forschungen von Philosoph:innen, Anthropolog:innen, Psycholog:innen, Theolog:innen und Vertreter:innen weiterer Wissenschaften.

Dabei machte er eine verblüffende Entdeckung: Viele verbreitete Meinungen zu diesem Thema halten einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand. Lassen Sie sich in der folgenden Blogstaffel auf eine spannende Reise mitnehmen, die Sie immer wieder überraschen wird. Sie werden sehen: Die Auswirkungen auf das soziale und politische Leben sind gewaltig. Viele kriegerische Konflikte erscheinen mit Bregmans Thesen in einem neuen Licht.

Ziel dieser Blogstaffel ist, dass Sie in den aktuellen Krisenzeiten besser verstehen lernen, welche Potentiale in der Menschheit schlummern, auch die größten Herausforderungen friedlich, kooperativ und empathisch zu meistern.

Heute beginnen wir mit einem Rückblick: Wie haben sich die Menschen während der furchtbaren Bombardements von London und von deutschen Städten im Laufe des Zweiten Weltkrieges verhalten.

Bregman fand heraus, dass Wissenschaftler:innen in ihren Analysen nach dem Krieg einzusehen begannen, dass sie auf eine der größten Fehleinschätzungen, ja, vielleicht sogar auf die größte Fehlkalkulation des Krieges überhaupt, gestoßen waren, nämlich, dass sich die meisten Menschen in solchen Situationen egoistisch, chaotisch und gewalttätig verhalten würden. Wie so viele waren sie jahrelang der sogenannten Fassadentheorie auf den Leim gegangen. Auch Hitler und Churchill, Roosevelt und Lindemann, sie alle teilten dieses Menschenbild eines gewissen Gustave Le Bon, demjenigen Psychologen, der behauptet hatte, dass die menschliche Zivilisation nur von einer dünnen Schicht geschützt würde. Sie waren davon überzeugt, dass die deutsche Luftwaffe bzw. die Royal Airforce diese dünne Schicht wie ein Fassade zerstören und das wahre Gesicht des Menschen entlarven würden. Aber die historische Wahrheit ist eine andere: Je mehr Bomben fielen, desto dicker wurde die Schicht der Menschlichkeit. Das angebliche Häutchen hatte sich zu einer Hornhaut verstärkt. Die meisten Menschen verhielten sich solidarischer und empathischer als in Friedenszeiten, ja, sie lebten sogar gesünder und verhielten sich produktiver!

Dennoch fanden diese wissenschaftlichen Schlussfolgerungen kaum Gehör. 25 Jahre später warfen die Amerikaner dreimal so viele Bomben auf Vietnam wie auf Deutschland während des gesamten Zweiten Weltkriegs. Daraus resultierte bekanntermaßen ein noch größerer Fehlschlag. Und was müssen wir heute an vielen Kriegsschauplätzen miterleben?

„Selbst wenn der Beweis direkt vor unseren Füßen liegt, schaffen wir es immer wieder, uns selbst zum Narren zu halten. Bis auf den heutigen Tag glauben viele Briten, dass ihre Widerstandsfähigkeit während des Luftkrieges typisch britisch gewesen sei. Sie war aber nicht typisch britisch. Sie war typisch menschlich“, so Bregman, der in seinem Buch „Im Grunde gut“ umfangreiches Beweismaterial für seine These gebündelt hat.

Foto: Ausstellung „Les journées photographiques de Léhon – Renaissance du vivant“ des Léhon Audio Photoclubs in der Bretagne im Sommer 2023

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