Mitgliederbeziehung neu gestalten
Georg Plank

Mitgliederbeziehung neu gestalten

Es ist absolut unverständlich, dass in Deutschland und in Österreich mit den Mitgliedern der großen Kirchen weder regelmäßig noch persönlich Kontakt gehalten wird. Haben nicht alle Mitglieder das Recht auf seriöse Information über die Aktivitäten, aber auch die internen Prozesse ihrer Kirchen? Und haben nicht alle Mitglieder das Recht, bei entscheidenden Fragen ihre Meinung einzubringen und auf geeignete Weise mitzubestimmen? Offensichtlich sehen das die Leiter:innen der Kirchen nicht so. Mir ist nicht bekannt, dass jedes Mitglied genauso detailliert und personalisiert kontaktiert wird wie es in Österreich zum Beispiel durch die Kirchenbeitragsvorschreibung der Fall ist. Man leistet sich ein aufwendiges Kommunikationssystem, nur um die Mitglieder daran zu erinnern, Ihren Pflichtbeitrag zu zahlen. Es gibt jedoch kein vergleichbares System, um sie über die Leistungen, Angebote und Gratifikationen zu informieren; geschweige denn sie einzuladen, sich bei zukunftsrelevanten Themen der von ihnen finanzierten Organisation mit ihrer Meinung einzubringen.

Genau das ist aber nicht nur aus pragmatischen Gründen ein Gebot der Stunde, sondern auch aus theologischen. Meint nicht das viel gepriesene „synodale Prinzip“ genau das? In allen Kirchen gab es von Anfang an Formen der Beteiligung, die heute, in einer aufgeklärten, demokratischen und pluralen Gesellschaft, die Basis für echte Partizipation bilden könnten. Das Killerargument, „Kirche ist keine Demokratie“ beziehungsweise „über den Glauben kann man nicht abstimmen“ gilt hier nicht! Im Gegenteil: Die vielfältige synodale Tradition bietet Möglichkeiten, das theologische Axiom vom „sensus fidelium“, vom „Gespür aller Gläubigen“, tatsächlich ernst zu nehmen.

Heute ermöglichen die modernen Kommunikationsmittel eine regelmäßige, dialogische und leistbare Pflege der Beziehung zwischen allen Mitgliedern und ihren Kirchen. Worauf warten wir noch?

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Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

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3 Kommentare
  1. Mitgliederbeziehung:
    Meiner Erfahrung nach funktioniert diese nicht einmal in den meisten Pfarren ausreichend: nicht über Homepages oder gar über Emails.
    Zur Mitarbeit wird aufgerufen, aber (Hintergrund-)Informationen und zukünftige Vorhaben/Aktivitäten erfährt der/die „normale“ Mitarbeiter:in kaum etwas. Meist macht ist dies auf den Pfarrer, VVR und ev. PGR der Fall.

  2. Wieder Worte, die auf ein großes Problem innerhalb der Katholischen Kirche aufmerksam machen. Was fange ich aber damit an? Wo finde ich die Grundinformationen? Wo die Menschen, die sich aktiv damit auseinandersetzen, die Lösungen erarbeiten und sich vernetzen wollen? Ist das nicht auch Aufgabe einer „Pastoralinnovation“? Gibt es bei euch Mitglieder/Mitarbeitende aus der Diözese St. Pölten?

  3. Kluge Worte! Nur passiert hier eines wieder, dass der Fokus auf Priester und vielleicht noch hauptamtliche Laien gelegt wird. Die müssen sicher mehr kommunizieren, das ist mir klar, aber wer hindert uns Ehrenamtliche daran mehr miteinander ins Reden und Austauschen zu kommen. Wenn eine andere Gruppe auch was will, wo ich zurückstecken müsste, dann geht das nicht mehr so leicht. Also, solange wir den Blick auf die hierarchischen Strukturen heften, solange bleibt es eine Bringschuld von oben, wenn nicht informiert wird. Heute könnte jeder/e zu den Informationen kommen, die man braucht oder will. Das habe ich vor kurzem erfahren können, als kirchlich unbedarfte Menschen genau das bekommen haben, was sie brauchen, indem sie nachgefragt haben. Es gibt also auch eine Form der Holschuld, wenn man etwas möchte. Christ/in-Sein ist eine spezielle Form der Freiheit, und in ihr liegt die Eigenverantwortung. Mit ihr und den vielen neuen Kanälen lässt sich fast alles finden, was man sucht und braucht.

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