Streiten, Scheitern und Stolz
Georg Plank

Schlüssel Nr. 5: Streiten, Scheitern und Stolz

Es ist eine Binsenweisheit, dass Konflikte innerhalb einer Organisation möglichst intern ausgetragen und bewältigt werden sollen und nicht öffentlich. Nicht weil man vertuschen oder verschleiern will, sondern weil es extrem schwierig ist, emotional besetzt Themen im grellen Scheinwerferlicht medialer Öffentlichkeit positiv zu regeln.

Warum gerade Kirchen diese Regel immer und immer wieder sträflich vernachlässigen, ist und bleibt mir schleierhaft. Die Folgen sind auf jeden Fall schlimm und unverantwortlich. Konflikte werden meist schlechter oder gar nicht gelöst, oft verschärfen sie sich sogar. Die interne Vertrauenskultur leidet darunter massiv, sodass die eigenen ehren- und hauptamtlich Engagierten an der Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit zu zweifeln beginnen. Und das Bild der Öffentlichkeit über die Kirchen bekommt eine zunehmend negative Schlagseite, die einem differenzierten Blick zwar nicht standhält, aber massive negative Folgen für alle Beteiligten hat.

Kurzum, schlechte Konfliktbewältigung diskreditiert die frohe Botschaft und hindert die Kirchen daran, ihren Auftrag in dieser Welt glaubwürdig wahrzunehmen. Das schadet allen Christ:innen, den Kirchen und auch der ganzen Gesellschaft.

Wir wissen, dass die Aufforderung, einander zu vergeben, wie auch Gott uns vergeben hat, die einzige von Jesus bekannte Bedingung für Gottes Heilswirken ist. Er wusste offenbar, warum!

Ähnlich verhält es sich mit der grundsätzlichen Haltung einer Organisation und ihrer Verantwortlichen zum Thema Scheitern. Trotz mancher Bekenntnisse zu Fehlerkultur und der einen oder anderen kirchlichen „Fuck-up Night“ sagen die meisten kirchlichen Mitarbeiter:innen, dass sie noch immer das Gefühl haben, schlecht dazustehen, wenn etwas nicht gelingt. Lieber unauffällig und brav sein …

Zugleich nimmt der Innovationsdruck aufgrund der bekannten Transformationsprozesse enorm zu. Innovationen gedeihen jedoch meist in einem Klima, wo Risiko, Experimente und Scheitern gewollt sind. Wo ist Unterstützungssysteme gibt, aus solchen Erfahrungen gemeinsam zu lernen. Wo spielerische Freude daran herrscht, kreativ Neues zu entwickeln, auszuprobieren und ausdauernd dranzubleiben, bis es funktioniert.

Letztlich steckt hinter mancher Innovationsverweigerung die traditionelle Wurzelsünde des Stolzes. „Ich brauch mir nichts sagen lassen“, „Ich weiß schon, was ich mache!“ oder „Heißt das, dass ich schlecht bin?“ sind Beispiele von Lernresistenz. Geistlich gesehen verweigert man so dem Heiligen Geist, der göttlichen Innovationskraft, in und durch uns wirken zu können. Deshalb Wurzelsünde.

Die gute Nachricht ist: Jede:r hier kann hier und heute neu beginnen, umkehren und im eigenen Wirkungsbereich dem Beispiel Jesu folgen, der sich bekanntlich sogar von einer heidnischen Frau eines Besseren belehren ließ.

Konfliktkultur – das ist der Schlüssel Nummer 5.

 

Foto: Reise „Die Vielfalt des Omans erleben“ mit Weltweitwandern.

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Ein Kommentar
  1. Lieber Georg,
    ein spannendes Thema. Mir leichtet sofort das Thema Synodaler Weg auf und die Atmosphäre dort unter dem Aspekt Konfliktkultur. Grundsätzlich nehme ich ein wichtiges Problem war, vor allem in kirchlichen Kreisen. Kehre deine negativen Gefühle unter den Teppich. Ich habe das selber im Priesterseminar erlebt und in der Zeit danach als Pastoralassistent.

    Natürlich habe ich bei mir entdeckt, dass es diesbezüglich ein Thema war. Ich bin in einem touristischen Betrieb aufgewachsen. Die Gäste waren die König:innen und man musste stets freundlich und zuvorkommen sein. Ich habe gelernt positive Gefühle in den Vordergrund zu spielen, negative Gefühle zu unterdrücken. Das rächte sich natürlich im weiteren Verlauf des Lebens.

    Viele, die in der Kirche groß geworden sind und in der Kirche arbeiten haben das Problem, dass sie nicht alles von sich zeigen dürfen, oder glauben nicht alles zeigen zu dürfen. Das dies eine Ventilkultur im (psychischen) Untergrund hervorgebracht hat in der im „Dunkeln“ ausgelebt wird, was nicht gezeigt werden darf (oder ich denke, dass es nicht gezeigt werden darf) liegt an der Hand und habe ich selber zuhauf erlebt.

    Konfliktkultur beginnt genau da: Bei mir und dem Umgang mit meinen Gefühlen, Positiven wie Negativen.

    Dein Marco

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