Superstars oder Teams
Georg Plank

Superstars oder Teams?

Gute Teams sind der wichtigste Faktor für Erfolg. Stimmen Sie zu? Oder gehören Sie zur denjenigen, die als Hauptfaktor für Erfolg und Innovation herausragende Einzelplayer, großartige Führungskräfte und sogenannte „High Performer“ halten?

Je nachdem, ob die Team- oder die Einzelplayervariante als handlungsleitendes inneres Bild vorherrscht, werden die Konsequenzen auf das jeweilige System völlig unterschiedlich sein.

In kirchlichen Kreisen ist häufig eine übertriebene Personifizierung beliebt: Ob etwas gelingt oder nicht, ob Menschen begeistert sind oder nicht, ob sie der Kirche und ihrer Botschaft vertrauen, liege in erster Linie an Einzelpersonen. „Wenn wir nur eine:n tollen Jugendleiter:in, Pfarrer, Bischof oder Papst hätten, der …“ – solche Aussagen habe ich oft gehört. Ich brauchte lange, um zu verstehen, dass dieser gut gemeinte Wunsch weder praxistauglich noch zukunftsfähig ist. Denn Systeme wie Gemeinden, Schulen oder diakonale Einrichtungen sind erst dann wirklich „gesund“, wenn sowohl die einzelnen Teile funktionieren als auch deren komplexe Verbundenheit klappt. Wie bei einem Organismus braucht es sowohl gesunde Einzelglieder als auch das funktionierende In- und Miteinander aller beteiligten Teile.

„Growing a healthy parish“ – mit dieser Vision bringt Father Michael White von der Church of the Nativity dieses systemische Prinzip auf den Punkt. Die durch das Buch „Rebuilt“ bekanntgewordene Pfarrgemeinde aus Baltimore versucht bereits jetzt so zu agieren, dass die Aufwärtsentwicklung auch nach dem Ausscheiden des Pfarrers gut weitergehen kann.

Beispielhaft für eine Absage an den Irrglauben der Rettung von Kirche und Welt durch einige wenige überdurchschnittliche Stars ist die Mahnung, die der Papst am 7.6.2021 in einer Ansprache an Priester richtete: „Superman-Priester nehmen kein gutes Ende, nie. Ein Priester, der seine Schwächen kennt und über sie mit Gott redet, ist hingegen in Ordnung. … Wenn ihr an ein vom Gottesvolk isoliertes Priestertum denkt – das ist kein christliches und auch kein katholisches Priestertum. Geht aus euch selbst heraus, lasst … eure Sehnsucht nach Größe und Selbstbestätigung hinter euch, um Gott und die Menschen ins Zentrum eurer täglichen Gedanken zu stellen.“

Die Vorstellung von Innovation als vorrangige Leistung einzelner „High Performer“ gilt es zu destruieren und durch das Paradigma „Innovation ist ein Teamsport“ zu ersetzen. Das ist das Ziel meiner hiermit startenden Blogstaffel.

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Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

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Ein Kommentar
  1. Im deutschen Sprachraum wird oft das Wort „Führungspersönlichkeit“ verwendet. Mir gefällt der Ausdruck „Person mit Leitungsaufgaben“ besser!
    Die englischen Ausdrücke werden oft sehr unterschiedlich interpretiert.

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