Vom Mysterium einer Blume
Georg Plank

Vom Mysterium einer Blume

Über die sachlich-technologische Frage hinaus, warum etwas funktioniert, geht es um zentrale Grundfragen wie: Wie ist Leben überhaupt möglich? Wie ist alles Lebendige miteinander verbunden? Welche Rolle spielen darin die Menschen? Welche Formen der Vergemeinschaftung auf allen Ebenen fördern eine Kultur des Lebens und welche nicht? Und ja, welche Rolle spiele schließlich ich selbst in diesem wundervollen Gefüge, das uns im Mikro- und im Makrokosmos begegnet, in der sichtbaren und der unsichtbaren Welt, in allen Beziehungen und Lebensbereichen?

Diese Zusammenhänge und Vernetzungen beschreibt auf fantastische Weise der deutsche Autor und Dramaturg Fabian Scheidler in seinem Buch „Der Stoff aus dem wir sind“. Ausgehend von einer Analyse der Entwicklung im naturwissenschaftlichen Bereich zeigt er auf, dass ein rein mechanistisch-technokratisches Weltbild, wie es nach wie vor oft medial und pädagogisch vermittelt wird, u.a. in Biologie und Physik längst falsifiziert worden ist.

Scheidler zitiert den Quantenphysiker Richard Feynmann, der betont: „Die Wissenschaft kann dem Mysterium einer Blume nie etwas wegnehmen, sondern nur etwas hinzufügen!“. Sowohl natur- als auch geisteswissenschaftlich lassen sich die Dichotomien von Körper und Seele oder Materie und Geist nicht mehr aufrechterhalten. Jedes Molekül im anorganischen Bereich und jede Zelle von Lebewesen ist ein unglaubliches komplexes Zusammenspiel von Einzelteilen, Prozessen und Energien.

Um nur eines von vielen faszinierenden Beispielen zu erwähnen: Während in Schulbüchern eine organische Zelle nach wie vor als sauber aufgeräumte Einheit von Zellkern und diversen Organellen dargestellt wird, ist die Wirklichkeit unvergleichlich komplexer. „Nicht weniger als zehn Billionen Moleküle, die ihrerseits aus Tausenden von Atomen bestehen, rasen kreuz und quer durch den Raum (EINER Zelle!).“ Aus diesen Bewegungen entstehen vielfältigste Prozesse, Aktionen und Reaktionen von Millionen unterschiedlicher Elemente. Jede Zelle würde vergrößert wie ein eigener unglaublicher Kosmos erscheinen, und zwar von handelnden Akteuren, die alle zu wissen scheinen, was zu tun ist und in komplexer Weise zusammenarbeiten. Das alles funktioniert ohne „Chef“, sondern in selbstregulierenden Prozessen. „Dass zehn Billionen Einheiten ohne einen dirigierenden Mastermind wissen, was zu tun ist und auf sinnvolle Weise miteinander interagieren, ist ein schwindelerregender Grad von Selbstorganisation“, so Scheidler. Noch einmal: All das spielt sich in einer einzigen Zelle ab. Zur Einordnung: Ein erwachsener Mensch besteht aus etwa 100 Billionen einzelnen Zellen! Legte man die durchschnittlich nur 1/40 Millimeter großen Zellen aneinander, reichten sie zweieinhalb Millionen Kilometer weit – oder etwa 60-mal um die Erde. Und wenn man in jeder Sekunde eine Zelle an die andere reihte, würde das Ziel erst nach über drei Millionen Jahren erreicht.

Der 2022 zum Nobelpreisträger für Physik gekürte Österreicher Anton Zeilinger kommt aufgrund seiner Forschungen zu ähnlichen Schlüssen: „Es ist eine Tatsache, dass unsere Welt offensichtlich so konstruiert ist, dass also die Naturgesetze genau so beschaffen sind, dass Leben möglich ist. Es gibt etwa Untersuchungen, dass zum Beispiel Kohlenstoff nicht existieren würde, wenn die Naturkonstanten nur ein kleines bisschen anders wären. Kohlenstoff entsteht ja im Inneren von Sternen – und ohne Kohlenstoff kein Leben.“

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