Welche Chancen der digitalen Welt ich nutze
Georg Plank

Welche Chancen der digitalen Welt ich nutze und wo ich noch blank bin

Vom „digital immigrant“ der 90er Jahre habe ich mich zum „heavy user“ digitaler Tools entwickelt. Diese Zeilen schreibe ich auf meinem Laptop im Zug und nutze dabei viele Apps, die mir das Leben erleichtern und Papier sparen. Tickets, Buchungen, Konferenzprogramm, Kulturinfos und Fahrpläne, alles ist digital verfügbar. Kleine Probleme zuhause lassen sich auch unterwegs lösen, weil ich ja problemlos kommunizieren kann. Auch die administrative Seite meines Unternehmens lässt sich heutzutage wesentlich einfacher und vor allem effizienter bewerkstelligen. Für die gleiche Arbeitsmenge hätte man vor 30 Jahren noch viel mehr Mitarbeiter:innen gebraucht.

Neben diesen effizienten und praktischen Möglichkeiten („convenience is the key!“) steigert sich aber meine Sorge um viele unerwünschte Nebenwirkungen und problematische negative Entwicklungen in und durch die große digitale Welt. Vorbei ist der Traum der Demokratisierung, des weltweiten Austausches auf Augenhöhe und der transparenten Machtsysteme. Wir allen nehmen wie Goethes Zauberlehrling fassungslos wahr, wie sich der Segen in Fluch verwandelt, wie social media zu neuen unsozialen Prangern mutierten, wie fake news Vertrauen zerstören und auf perfide Weise manipulieren oder wie Bots Wahlen beeinflussen.

Und jetzt auch noch das: Die rasante Zunahme von Künstlicher Intelligenz bzw. AI. Überrascht sehen wir: Nun zittern nicht einfache Arbeiter:innen um ihren Job wie in den früheren Wellen der Automatisierung, sondern plötzlich übernehmen AI unterstützte Werkzeuge qualifizierte Aufgaben von Ärzt:innen, Journalist:innen oder Grafiker:innen. Wer verlässt sich noch auf eine Diagnose, die nicht durch AI unterstützt wurde? Woher beziehen wir die inhaltlichen Grundlagen unserer Entscheidungen? Wie leben wir in Zukunft persönliche Beziehungen?

So wie seit der Aufklärung ein Gottesverständnis unter Druck kam, das begründete, „was nur Gott kann“, so wird der Bereich immer enger, „wo der Mensch unersetzlich“ ist.

Und zugleich frage ich mich: Wo liegen in dieser Entwicklung auch pastorale Chancen? Kann AI Predigten und Texte lebensrelevanter machen? Können intelligente CRM Systeme die Beziehung zwischen Kirchen und ihren nie irgendwo auftauchenden Mitgliedern stärken und bereichern? Ist es per se schlecht, wenn demente Menschen durch ein durch KI angereichertes Stofftier Trost und Aktivierung erfahren?

Und ja, ich halte es für denkbar, dass die Beratungsbranche durch AI massiv transformiert wird, indem ich als Klient mir eine:n Berater:in meiner Wahl zusammenstelle und im klaren Wissen, dass mein Gegenüber kein Mensch aus Fleisch und Blut ist, mich sogar leichter öffne, weil die Schamgrenze niedriger ist?

Überlegen Sie einmal, wie eine derartige Entwicklung den Bereich der seelsorglichen, spirituellen und geistlichen Beratung beeinflussen würde! Und welche Auswirkungen das auf die institutionalisierten Kirchen hätte!


Foto: Marion Wenge, Zyklus CREDO zum Apostolischen Glaubensbekenntnis, https://www.marionwenge.de/

Marion Wenge wuchs im Münsterland auf und studierte Soziale Arbeit. Nach vielen Jahren in der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Erwachsenenbildung wandte sie sich 2009 der Malerei zu.

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