Wie ich mit kränkender Ignoranz umgehe
Georg Plank

Wie ich mit kränkender Ignoranz umgehe und dabei humorvoll bleibe

Am 27.3.2024 schrieb ich über meinen Umgang als Statusloser und meine neue Freude als Machtfreier. In diesem Zusammenhang zeigte sich für mich und für das ganze Team, das von 2016 bis 2022 zusammenarbeitete, dass wir lernen mussten, mit kränkender Ignoranz umzugehen. Rational war uns klar, dass dieses Nichtreagieren meist nicht böse gemeint war und wir es nicht vorschnell als Missachtung oder Geringschätzung werten durften. Aber dennoch, wir mussten uns letztlich eingestehen, dass wir emotional dieses Verhalten dennoch immer wieder als verletzend empfanden. Wir begannen, uns über unsere Gefühle auszutauschen, einfach über sie zu reden, sie auch nicht zu schnell zu erklären oder zu rechtfertigen. Das tat uns allen gut und es stärkte unsere Verbundenheit.

Persönlich begann ich, mich intensiver mit dem Thema Verwundbarkeit zu beschäftigen, auch angestoßen durch einen Vortrag von Hildegund Keul bei der Österreichischen Pastoraltagung.

Ein weiterer Impuls entstand aus dem wachsenden Bewusstsein, welche tiefen Anliegen hinter der LGBTQ Bewegung stehen und wie verletzend viele Kirchen und Christ:innen Menschen behandeln, die nicht der traditionell für wahr gehaltenen Normativität entsprechen. Erfahrungen in der eigenen Familie stellten mich auch als Mann infrage. Ich wollte mich damit auseinandersetzen, was mein Mannsein für mich bedeutete, und wo ich vielleicht durch starke Prägungen in meiner Kind- und Jugendzeit in meiner Entfaltung eingeschränkt war.

Diese Prozesse haben mir sehr gutgetan und ich kann heute leichter meine Verwundbarkeit, meine Schwächen und mein Scheitern als Teil meines ganz persönlichen Lebensweges annehmen und schätzen. Folgende Anekdote über „starke Männer“ trifft diese Entwicklung gut: Ein Kind fragt seinen Vater: „Was ist der wichtigste Satz in deinem Leben?“ Er antwortete: „Ich brauche Hilfe.“

Eingebettet fühle ich mich dabei in ein Nest der Freude und des Humors, gerade auch in schwierigen Situationen. Auch wenn nicht jede:r und immer meine Witze verstehen (okay, auch damit muss ich leben lernen …), bin ich froh, dass mir immer wieder Humor geschenkt ist, Gott sei Dank meist ohne Zynismus.


Foto: Marion Wenge,  Zyklus CREDO zum Apostolischen Glaubensbekenntnis, https://www.marionwenge.de/

Marion Wenge wuchs im Münsterland auf und studierte Soziale Arbeit. Nach vielen Jahren in der Kinder- und Jugendarbeit sowie der Erwachsenenbildung wandte sie sich 2009 der Malerei zu.

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