Georg Plank·Heute ·5 min. Lesedauer
Warum braucht Innovation in Kirchen das II. Vatikanische Konzil?
Zusammenfassung Das Zweite Vatikanische Konzil hat die katholische Kirche tiefgreifend verändert und wirkt bis heute nach – nicht nur als...
Zusammenfassung
Das Zweite Vatikanische Konzil hat die katholische Kirche tiefgreifend verändert und wirkt bis heute nach – nicht nur als historisches Ereignis, sondern als fortwährender Impuls für kirchliche Erneuerung. Als Theologe und Innovator fasziniert mich besonders, wie dieses „Weltereignis Konzil“ auch nach mehr als 60 Jahren noch Orientierung für eine Kirche im Wandel bietet.
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) wurde durch zwei außergewöhnliche Päpste geprägt: Johannes XXIII., der es einberief, und Paul VI., der es zum Abschluss führte. Beide gaben der Versammlung der Bischöfe aus aller Welt ihr besonderes Gepräge und setzten wichtige Impulse für eine Kirche, die sich in vielen Geburtswehen der modernen Welt öffnen wollte.
Johannes XXIII. überraschte die Welt mit der Ankündigung eines Konzils, das ein „aggiornamento“ – eine Verheutigung der Kirche – bewirken sollte. Paul VI. führte diesen Weg konsequent fort und sorgte für die Umsetzung der weitreichenden Reformen.
Das Konzil markierte einen Paradigmenwechsel im Selbstverständnis der Kirche. Statt sich als „perfekte Gesellschaft“ zu verstehen, definierte sie sich neu als „Volk Gottes auf dem Weg“ und als „Gemeinschaft aller Gläubigen“.
Eine der revolutionärsten Veränderungen betraf das hierarchische Verständnis der Kirche. Das Konzil erteilte einem übertriebenen Klerikalismus eine klare Absage: Die Gemeinschaft aller Gläubigen wurde in den Mittelpunkt gerückt. Das Priester- und Bischofsamt wurde als Dienst, nicht als Herrschaftsposition neu definiert und die Würde und Gleichheit aller Menschen wurde betont – unabhängig von Rasse, Religion oder Geschlecht.
In der Kirchenkonstitution „Lumen Gentium“ wird deutlich: Die Kirche ist nicht in erster Linie eine hierarchische Institution, sondern eine Gemeinschaft von Gläubigen, in der alle durch Taufe und Firmung zur aktiven Teilnahme berufen sind.
Das Konzil erkannte an, dass alle Getauften am Sendungsauftrag der Kirche teilhaben: Laien wurden als vollwertige Mitglieder der Kirche mit eigener Verantwortung anerkannt, ihre besondere Rolle in der Welt wurde gewürdigt und Partizipation und Mitbestimmung wurden als wichtige Elemente kirchlichen Lebens betont. Erkennen Sie darin den Geist des aktuellen synodalen Weges?
Ein weiterer revolutionärer Schritt des Konzils war die Öffnung gegenüber anderen christlichen Konfessionen und Religionen und die Anerkennung der Schwesterkirchen. Das Dekret „Unitatis Redintegratio“ läutete eine neue Ära der Ökumene ein. Die Taufe wurde als gemeinsames Band aller Christen anerkannt. der Dialog wurde zum Leitprinzip der Beziehungen zwischen den Konfessionen und die Suche nach Einheit wurde als gemeinsame Aufgabe definiert. Es ist trotz aller Rückschläge nicht hoch genug zu würdigen, wie viele Christ:innen aller Konfessionen mittlerweile miteinander beten, verkündigen, leiden und feiern und sich vor allem für die Würde aller Menschen einsetzen.
Auch gegenüber nichtchristlichen Religionen vollzog das Konzil eine historische Wende. In „Nostra Aetate“ würdigte es andere Religionen als Gemeinschaften, in denen sich Gott ebenfalls offenbart:
Das Judentum wurde als Wurzel des Christentums gewürdigt, der Islam wurde mit Respekt betrachtet und auch in anderen Religionen wurden „Strahlen jener Wahrheit“ anerkannt, „die alle Menschen erleuchtet“.
Das Konzil beschränkte sich nicht auf innerkirchliche Reformen, sondern wandte sich auch den drängenden Fragen der Weltgemeinschaft zu. Die Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ formulierte eine klare Option für die Armen und Unterdrückten. Das Konzil betonte die Bedeutung von Bildung und Erziehung für alle Menschen. Diese Impulse haben die kirchliche Sozial- und Bildungsarbeit weltweit geprägt und motivieren bis heute zahlreiche Initiativen für mehr Gerechtigkeit.
Obwohl das Zweite Vatikanische Konzil vor mehr als 60 Jahren stattfand, bieten seine 16 Dokumente auch für heutige Herausforderungen wertvolle Orientierung:
Als Gründer von Pastoralinnovation sehe ich im Zweiten Vatikanischen Konzil eine wesentliche Inspirationsquelle für kirchliche Erneuerung. Die konziliare Vision einer partizipativen, weltoffenen und dienenden Kirche bildet die theologische Grundlage für unsere Arbeit:
Das Zweite Vatikanische Konzil war kein abgeschlossenes Ereignis, sondern ein Aufbruch, der bis heute nachwirkt. Seine Dokumente sind keine musealen Texte, sondern lebendige Quellen der Inspiration für eine Kirche im Wandel. Die Zeit ist reif, die Impulse des Konzils neu zu entdecken und mutig weiterzudenken. Gerade in Zeiten kirchlicher Krisen und gesellschaftlicher Umbrüche bietet das Konzil Orientierung für eine Kirche, die sich als „Volk Gottes auf dem Weg“ versteht und ihren Auftrag in der Welt von heute neu definieren muss.
Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.
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