Das passiert immer öfter: Die Stellenanzeige für den kirchlichen Job ist seit Monaten online. Dutzende Bewerbungen sind eingegangen, doch am Ende sagen die vielversprechendsten Kandidat:innen ab. Sie haben sich für einen anderen Arbeitgeber entschieden – oft außerhalb der Kirche. Diese Erfahrung machen immer mehr kirchliche Organisationen. Der Fachkräftemangel ist längst in Gemeinden, Diözesen und kirchlichen Einrichtungen angekommen. Doch die Ursachen liegen nicht nur im demografischen Wandel. Sie reichen tiefer: in gesellschaftliche Prioritäten, Fragen der Sinnhaftigkeit und einen spürbaren Reformstau.
Warum geraten kirchliche Arbeitgeber im Wettbewerb um Talente zunehmend ins Hintertreffen– und welche Wege könnten aus dieser Krise führen?
Der Fachkräftemangel betrifft längst nicht mehr nur die Pflege oder das Handwerk. Nahezu alle Branchen kämpfen um qualifizierte und motivierte Mitarbeiter:innen. Kirchliche Arbeitgeber stehen dabei in direkter Konkurrenz zu Wirtschaftsunternehmen, öffentlicher Verwaltung und freien Trägern. Was früher als selbstverständlich galt – dass kirchliche Berufe eine besondere, ja göttliche Berufung, und daher eine Ehre darstellen – hat massiv an Zugkraft verloren.
Die Rahmenbedingungen haben sich fundamental verändert. Junge Menschen wählen ihre Arbeitgeber heute nach anderen Kriterien als frühere Generationen. Ein gerechtes Gehalt spielt eine gewisse Rolle, aber längst nicht die einzige oder die wichtigste. Flexibilität, Work-Life-Balance, persönliche Entwicklungsmöglichkeiten und die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit stehen hoch im Kurs. Genau hier zeigen sich die Schwachstellen vieler kirchlicher Organisationen.
Hinzu kommt die öffentliche Wahrnehmung. Missbrauchsskandale, struktureller Konservatismus und ein sichtbarer Reformstau prägen das Bild der Kirche in der Gesellschaft. Das wirkt abschreckend – besonders auf junge, gut ausgebildete Menschen, die nach einem Arbeitgeber suchen, der ihre Werte teilt und glaubwürdig verkörpert. Die nüchternen Zahlen des Vertrauensindex zeigen auch hier massive Auswirkungen.
Die kirchliche Personalkrise lässt sich daher nicht allein aus innerkirchlichen Faktoren erklären. Gesamtgesellschaftliche Entwicklungen spielen eine mindestens ebenso wichtige Rolle.
Gleichzeitig zeigen Studien: Es gibt nach wie vor mehr Menschen als oft angenommen, die nach sinnstiftender Arbeit suchen und sich für Gemeinwohl und Spiritualität interessieren. Die Herausforderung besteht darin, diese Menschen zu erreichen und ihnen attraktive Perspektiven in kirchlichen Berufen aufzuzeigen.
Bei unseren Seminaren empfehlen wir: Macht es wie Jesus! Denkt nicht nur an die „Braven und Frommen“! Seid aufmerksam für Menschen, die zunächst aufgrund ihrer Lebensweise oder ihrer Distanz von Kirche und Glaube nicht geeignet erscheinen und bei klassischen Bewerbungsverfahren durchfallen würden. Lasst euch überraschen, wie viele in ihrem Herzen eine tiefe Sehnsucht nach einer Arbeit haben, die sie erfüllt und wo sie sich für positive Werte für die ganze Gesellschaft engagieren können. Wer ruft sie heraus aus ihrer bisherigen Lebensweise und coacht sie auf dem Weg der Nachfolge?
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