Georg Plank·Heute ·4 min. Lesedauer
Körpersprache lügt nicht
Eine lustige Begebenheit fällt mir ein, die sich einmal mit meinem damaligen Chef zutrug. Nach einem längeren Austausch über berufliche...
Eine lustige Begebenheit fällt mir ein, die sich einmal mit meinem damaligen Chef zutrug. Nach einem längeren Austausch über berufliche Fragen sagte er zu mir: „Großartig, Georg, dass du so viele Ideen hast!“ zugleich hob er beide Hände und hielt sie abwehrend in meine Richtung. Lächelnd erwiderte ich ihm: „Du weißt schon: Körpersprache lügt nicht!“ Da musste auch er schmunzeln, denn in Wirklichkeit erzeugten meine vielen Vorschläge bei ihm einen Druck, der ihm angesichts seiner bereits jetzt überfordernden Arbeitslast einfach zu viel war. Er wollte aber dennoch nicht unfreundlich sein und meine Ideen brüsk abschmettern.
Bedenken Sie: Auch organisationale Körpersprache lügt in der Regel nicht. Wenn neu zugezogene Familien zum Beispiel wissen wollen, ob und wo es kirchliche Angebote für junge Familien gibt, werden sie heute in der Regel Onlinesuchmaschinen oder KI-Agenten konsultieren. Hoffentlich werden dabei relevante kirchliche Informationen gelistet, und hoffentlich werden die Suchenden auf den einen oder anderen Link klicken. Doch was passiert dann? Wie präsentiert sich eine Pfarrgemeinde durch ihre Homepage? Wirkt sie einladend? Freundlich? Insiderisch? Verständlich? Attraktiv?
Father Michael White von unserer Partnerpfarrgemeinde „Church of the Nativity“ in Baltimore, mit Tom Corcoran Autor des Buches „Rebuilt“, betont, dass für viele Menschen die online Präsenz einer Gemeinde heutzutage das erste Eingangsportal ist, das sie wahrnehmen. Wenn dieser Eingang abweisend wirkt, kommen die Menschen gar nicht erst zur physischen Location. Sind sich die Gestalter:innen kirchlicher Websites oder social media posts dieser Wirkung bewusst? Wer bemüht sich in den aktuellen Entwicklungen, dass auch Suchanfragen über diverse KI-Tools kirchliche Organisationen, Inhalte und Personen sichtbar machen? Ja, das ist aktuell eine große Herausforderung, die besser und effizienter gelingen wird, wenn sich die unterschiedlichen Träger dazu vernetzen, austauschen und gemeinsam Entwicklungsarbeit leisten.
Umstrukturierungen als Chance für Personalentwicklung
Im Kontext der allerorts laufenden Umstrukturierungen ließen sich jetzt neue Rahmenbedingungen für die Arbeit aller Haupt- und Ehrenamtlichen definieren. In der katholischen Kirche sollte die von Papst Franziskus am Pfingstfest 2022 verordnete, revolutionäre Kurienreform möglichst rasch und umfassend auch auf lokaler Ebene radikale Folgen haben. Revolutionär deshalb, weil erstmals nicht das Weihesakrament für die Übernahme von Führungspositionen relevant ist, sondern die allen gemeinsame Taufe und – auch das ist nicht selbstverständlich, aber unerlässlich – die erforderliche Kompetenz.
Damit setzte der vor einem Jahr verstorbene Papst einen Befreiungsschlag gegen eine klerikale Selbstfesselung, die allen – Priestern und nichtgeweihten Gläubigen – mehr geschadet als genutzt hat. Und es stehen allen kirchenrechtlichen „Laien“ nahezu alle Türen offen – Männern und Frauen.
Diese Entwicklung könnte als Rückenwind für Kirchengemeinden wirken, die den prekären Ort der aktuellen Talsohle als Chance nutzen wollen, um mehr als nur oberflächliches „Change-Management“ zu betreiben.
Denn statt dem Gestrigen nachzuweinen, könnten sie lebendige, evangeliumsgemäße und attraktive Orte einer neuen pastoralen Kultur werden. Solche Orte würden es Menschen aller Milieus ermöglichen, existenziell zu erleben, was mit „Froher Botschaft“ und „Reich Gottes“ gemeint ist. Das geht nur in einer Kultur der Freiheit und der Verantwortung. Und genau das geht nur mit einer neuen, geistvoll jesuanischen organisationalen Körpersprache.
Sie werden sehen: Eine solche Kultur wirkt anziehend! Sie schafft Vorteile im sich verschärfenden Wettbewerb um Talente. Demografische Entwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen und steigende Ansprüche von Arbeitnehmenden setzen alle Arbeitgeber unter Druck – kirchliche besonders.
Kirchliche Organisationen können diese Herausforderung als Anstoß nutzen, um längst überfällige Reformen anzugehen. Sie können sich neu erfinden, ihre Stärken wiederentdecken und zeitgemäße Wege finden, um ihre Mission zu leben. Das erfordert Ehrlichkeit, Demut und den Mut, Gewohntes loszulassen.
Die Frage ist nicht, ob Kirche eine attraktive Arbeitgeberin sein kann. Die Frage ist, ob sie bereit ist, die notwendigen Schritte zu gehen. Die Talente sind da. Gott schenkt immer alles, was wir zur Erfüllung unserer Sendung, seiner Mission, brauchen. Die Sehnsucht nach Sinnhaftigkeit ist da. Was fehlt, sind oft die Strukturen, die Kultur und der Wille zur Veränderung.
Wer sich auf diesen Weg macht, ist nicht allein. Netzwerke, Begleiter:innen und erprobte Programme stehen bereit, um kirchliche Organisationen bei ihrer Transformation zu unterstützen. Die Zeit ist reif für geistvolle Innovation – auch und gerade im Umgang mit dem wertvollsten Gut jeder Organisation: den Menschen, die in ihr wirken.
Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.
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