Nach dem klassischen und dem persönlichen Weg der Personalsuche und Gewinnung stelle ich Ihnen heute den dritten Weg vor. Angesichts der kirchlichen und gesellschaftlichen Entwicklung halte ich diesen für besonders geeignet, theologisch fundiert und ekklesiologisch zukunftsweisend.
Weg 3 nennen wird den innovativen Weg
Der dritte und vielleicht revolutionärste Weg besteht darin, Menschen zu ermächtigen, ihre eigenen Visionen zu verwirklichen, v.a. Visionen, die letztlich dem Reich Gottes in vielfältiger Weise den Weg bereiten. Statt fertige Programme anzubieten, mit denen Sie Ihre eigenen Visionen zu verwirklichen hoffen, werden Sie zum Ermöglicher der Visionen anderer. Denn der Geist weht, wo er will.
Dieser Weg basiert auf dem Menschenbild, dass jeder Mensch von Gott begabt ist, seine Umgebung und seinen Sozialraum wahrzunehmen und Ideen hat, wie dieser gut weiterentwickelt werden kann.
In Großbritannien habe ich dazu viel von den „Fresh Expressions of Church“ gelernt. Unglaublich, wie viele neue Formen kirchlichen Engagements dadurch entstanden sind. Machen Sie sich ein Bild unter https://freshexpressions.org.uk/ oder unter https://freshexpressions.de/.
Mit diesem Weg praktizieren Sie „Bevollmächtigende Leitung“. Das bedeutet, immer wieder Verantwortung abzugeben und Menschen zuzutrauen, dass sie eigene Ideen und Visionen entwickeln und umsetzen können. Dieser Ansatz erfordert ein grundsätzliches Umdenken in der Rolle von Hauptamtlichen und Leitungsverantwortlichen. Sie suchen nicht mehr primär Erfüllungsgehilfen für Ihre Ziele und Visionen, sondern werden zum Ermöglicher neuer Initiativen und Schwerpunkte, die Sie selbst noch gar nicht im Blick haben können.
Kernelemente bevollmächtigender Leitung:
- Hören statt vorgeben: Nehmen Sie sich Zeit, die Träume und Visionen von Menschen wirklich zu verstehen. Dann lernen Sie nicht nur Ihre Gesprächspartner:innen besser kennen, sondern Sie verstehen tiefer, was diese bewegt und welche Probleme, Chancen oder Entwicklungen in Ihrem sozialen Umfeld ihnen ein Anliegen sind.
- Vertrauen schenken: Geben Sie Menschen die Freiheit, auch unkonventionelle Wege zu gehen. Sagen Sie nicht zu schnell und zu oft: Das haben wir schon versucht, oder: Das klappt sicher nicht! Oder: Das ist viel zu teuer!
Unterstützen Sie stattdessen. Geben Sie Feedback, etwa mit Worten wie: Ich glaube, ich verstehe dein Anliegen und deine Idee gefällt mir. Wir sollten uns aber mit einer kleinen Runde und/oder mit Fachleuten zusammensetzen, um die Details und die Realisierbarkeit gut zu prüfen. Vielleicht tauchen dann noch weitere gute Aspekte auf.
- Ressourcen bereitstellen: Unterstützen Sie neue Initiativen mit Räumen, Budget oder Know-how. Vereinbaren Sie mit den Finanzverantwortlichen ein fixes Innovationsbudget im Haushaltsplan und definieren Sie transparente und faire Kriterien, wie diese Mittel vergeben werden.
- Fehler als Lernchancen begreifen: Schaffen Sie eine Kultur, in der Experimente erlaubt sind und Scheitern nicht sanktioniert wird. Gehen Sie dabei selbst mit gutem Beispiel voran!
Praktische Schritte zur Umsetzung dieses visionsorientierten Wegs
- Führen Sie regelmäßig Visionsgespräche, individuell, aber auch öffentlich. Laden Sie Menschen ein, ihre Träume mit der Gemeinde zu teilen. Fragen Sie: „Wenn Sie könnten, wie Sie wollten – was würden Sie in unserer Gemeinde gerne starten oder verändern?“ Nehmen Sie diese Gespräche ernst und dokumentieren Sie die Ideen.
- Schaffen Sie innovationsfreundliche Strukturen. Etablieren Sie einen unkomplizierten Prozess, wie neue Ideen eingereicht und geprüft werden können. Bilden Sie ein Innovationsteam, das neue Initiativen begleitet und unterstützt. Stellen Sie ein Experimentierbudget zur Verfügung, mit dem Pilotprojekte gestartet werden können.
- Bieten Sie für neue Projekte Mentoring und Begleitung an. Denn viele Menschen haben gute Ideen, aber wenig Erfahrung in der Projektumsetzung. Denken Sie an erfahrene Gemeindemitglieder, die als Mentoren zur Verfügung stehen oder organisieren Sie Workshops zu Themen wie Projektmanagement oder Teamführung.
- Bewährt haben sich regelmäßige Reflexionstreffen, bei denen Erfahrungen ausgetauscht werden können, Erfolge und Misserfolge, Details und Visionen. Das stärkt eine innovative Kultur für die ganze Gemeinde.
Vergessen Sie nicht, neue Initiativen öffentlich sichtbar zu machen und würdigen Sie das Engagement, egal, ob es gleich Früchte zeitigt oder noch mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen hat. Das motiviert nicht nur die Aktiven selbst, sondern inspiriert auch andere, eigene Ideen einzubringen.
Die größte Wirkung entfalten diese drei Wege, wenn sie nicht isoliert, sondern kombiniert angewendet werden. Ein Beispiel: Sie organisieren einen „Marktplatz der Möglichkeiten“, bei dem verschiedene Thementeams sich mit definierten Tätigkeiten vorstellen (Weg 1). Gleichzeitig führen Sie Talentgespräche, um herauszufinden, wer welche Fähigkeiten mitbringt (Weg 2). Und Sie ermutigen Menschen, auch ganz neue Initiativen zur Verwirklichung ihrer eigenen Visionen zu starten, die bisher noch nicht existieren (Weg 3).
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