Personalentwicklung nach dem II. Vatikanum
Dissertation Georg Plank_050617
In seiner Dissertation stellte Georg Plank bereits 2004 Aspekte theologisch fundierter Personalentwicklung zur Diskussion, die seit ihrer Veröffentlichung noch an Aktualität gewonnen haben.
Denn Kirchen hängen wie kaum andere Organisationen von der Überzeugungskraft und dem Einsatz ihrer Mitarbeiter:innen ab. Gerade deshalb müsste die Kirche das beste Personalwesen und die beste Ausbildung von Führungskräften haben, die den Vergleich mit Unternehmen und Großkonzernen nicht zu scheuen brauchen.
Personal ist offensichtlich bedeutsam für das Handeln der Kirche in der Welt von heute. Kirchliches Handeln ist das Handeln konkreter Menschen. Obwohl der weitaus größere Teil dieses Handelns im Unterschied zu wirtschaftlichen Unternehmen nach wie vor als freiwillig ehrenamtliches Engagement geleistet wird, sind v.a. in den Kirchen und kirchlichen Einrichtungen der modernen Gesellschaften vergleichbare Organisierungsprozesse zu beobachten wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen. Diese Prozesse der verstärkten Organisierung und Institutionalisierung sind mit Phänomenen wie etwa Spezialisierung und Professionalisierung verbunden, die wiederum große Auswirkungen auf das Personalwesen hatten und noch immer haben. Gerade in den deutschsprachigen Diözesen hat diese Entwicklung dazu geführt, dass Kirchen und Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft zu den größten Arbeitgebern zählen. Gleichzeitig finden sich mittlerweile unterschiedlichste Berufsgruppen auf den Gehaltslisten kirchlicher Einrichtungen – auch eine logische Folge von Spezialisierung und Professionalisierung. Selbst in genuin pastoralen Berufen ist eine Pluralisierung zu beobachten, die das gesamte kirchliche Personalwesen sowohl bereichert und in seinen Handlungsmöglichkeiten erweitert als auch vor neue und komplexe Herausforderungen stellt.
Als eine Möglichkeit, mit diesen Herausforderungen qualitätsvoll umzugehen, hat sich in den letzten Jahrzehnten der Begriff „Personalentwicklung“ herausgebildet. Ursprünglich aus dem wirtschaftlichen Bereich stammend, fanden dieser Begriff und die damit verbundene Praxis zunehmend Eingang in den Bereich der Non-Profit-Organisationen und schließlich auch in die Kirchen. Personalentwicklung in der Kirche ist somit aus pragmatischen Gründen ein Thema geworden.
Die Frage ist, ob sich – ausgelöst durch diese ersten Versuche praktischer Anwendung – Personalentwicklung darüber hinaus aus theologischer Perspektive thematisieren lässt.
Beide Fragen, die des praktischen Umgangs mit den eigenen aktiv-partizipativen Mitgliedern, den so genannten ehren- und hauptamtlichen Mitarbeite:innen, und die der theologischen Bedeutung von „Personalentwicklung“ stellen in mehrfacher Hinsicht eine besondere Herausforderung für die Kirche dar.
Da die konkrete Praxis des Personalwesens auch in kirchlichen Einrichtungen Maßnahmen umfasst, die heute mit dem Begriff Personalentwicklung subsumiert werden, ist kirchliche Personalentwicklung also vom Sendungsauftrag und vom Selbstverständnis der Kirche als sichtbares Zeichen und Werkzeug für die Vereinigung mit Gott und die Einheit der Menschen (Lumen Gentium 1) nicht zu trennen. Die theologische Frage ist daher, welche Perspektiven sich aus der in den Kirchenkonstitutionen „Lumen gentium“ und „Gaudium et spes“ umfassend explizierten Ekklesiologie des II. Vatikanums für kirchliche Personalentwicklung benennen lassen, wenn das Ineinander der geistigen und organisationalen Wirklichkeit von Kirche ernst genommen und auch im Personalbereich umgesetzt werden soll.
Zur Person
Der Gründer von Pastoralinnovation ist Theologe, Sozialmanager und Innovator aus Graz. Er sammelte in unterschiedlichen Aufgaben Erfahrungen mit der „Organisation Kirche”. Seit der Gründung von Pastoralinnovation legt er einen besonderen Fokus auf die Integration fachlicher Aspekte, theologischer Begründung und geistlicher Weisheiten. Und bei allem Ernst der Lage kommt auch der Humor nicht zu kurz!
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