In den letzten Jahrzehnten haben umweltschädliche Formen der Mobilität stark zugenommen, sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr. Mobilität ist zwar ein hohes gesellschaftliches Gut, aber es stellt eine große Belastung für den Haushalt Erde dar, wenn pro PKW-Fahrt nur 1,14 Personen transportiert werden oder die Anzahl der Flüge sich laut Prognosen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird.
Ich selbst habe zwar das Glück, so zu wohnen, dass ich fast alle Wege per Fahrrad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen kann, aber gerade auf dem Land schaut das oft anders aus.
Die Idee, wie man kostenintensive Strukturen des öffentlichen Nahverkehrs entlasten könnte, kam mir bereits vor dem Internetzeitalter. Damals dachte ich an einen Verein von Autostopper:innen. Alle registrierten Nutzer:innen könnten entweder Leute mitnehmen oder selbst gratis mitfahren. Sie müssten nur an einer sicheren Stelle ihren Daumen ausstrecken und sich mit einer Mitgliedskarte und Personalausweis ausweisen. Der gemeinnützige Verein sollte sich um logistische und juristische Fragen kümmern sowie in Kooperation mit starken Partner:innen wie den Autofahrerclubs, Verkehrsorganisationen oder Gemeinden dieses Angebot kommunizieren. Netzwerke wie Pfarrgemeinden, Feuerwehr oder Sportvereine könnten als Multiplikator:innen wirken und für ihre Mitglieder vergünstigte Mitgliedschaften anbieten.
Das wäre kurz beschrieben die Version Autostoppen 2.0 (1.0 ist die klassische Variante, die ich als junger Mann auch mehr oder minder erfolgreich betrieben hatte).
Heute könnte man mithilfe digitaler Apps die weitaus effizienter und sicherere Variante Autostoppen 3.0 umsetzen. Das Ganze würde vergleichbar funktionieren wie ein gewisser globaler Taxikonkurrent, aber nicht kommerziell, sondern streng gemeinnützig. Kein:e Fahrer:in würde etwas verdienen. Ziel ist die Erhöhung der Mobilität vor allem für Menschen, die eingeschränkt mobil sind. So könnten Arztbesuche, Einkäufe oder Gottesdienstfeiern leichter möglich werden. Ziel ist auch die Effizienzsteigerung, sodass Fahrten mit dem PKW durch mehr Personen genutzt werden. Und Ziel ist auch die Förderung der menschlichen Kommunikation in einem Ort oder einer Region, sodass viele neue Beziehungen und Netzwerke entstehen. Der Fantasie sind da kaum Grenzen gesetzt.
Wie heißt es immer: Wir können nicht für jedes Dorf und zu jeder Zeit eine Buslinie betreiben. Richtig, daher verstehe ich Autostoppen 3.0 auch nicht als Konkurrenz zu bestehenden Mobilitätslösungen, sondern als lösungsorientierte Ergänzung, vergleichbar mit dem segensreichen Wirken etwa von Feuerwehr, Rotem Kreuz oder Hospizdiensten.
Vielleicht inspiriert diese „gestorbene“ Idee jedoch den einen oder die andere Leser:in, sodass sich daraus eine eigene Initiativen entwickelt: kreativ, kontextuell und fruchtbar?
Schreibe einen Kommentar