Die kath. Kirche hat eine extrem steile Hierarchie
Georg Plank

Die kath. Kirche hat eine extrem steile Hierarchie

Im Gespräch mit Unternehmer:innen beziehungsweise Führungskräften aus der Wirtschaft oder der Politik zeigen sich die meisten überzeugt, dass die katholische Kirche ein extrem hierarchisches System darstellt. Sie sehen den Papst und die Bischöfe als quasi absolutistische Herrscher, die frei und willkürlich schalten und walten können. Selbst der synodale Prozess, sofern er überhaupt außerhalb der kirchlichen Binnenwelten wahrgenommen wird, stellt für viele maximal ein Feigenblatt dar, um die letztlich autoritäre Grundstruktur der Kirche zu kaschieren.

Deckt sich diese Einschätzung mit der Realität vor allem im deutschsprachigen Raum?

Dazu einige Beobachtungen:

  1. Kirchenrechtlich gibt es nur drei hierarchische Ebenen. Pfarrer leiten eine territoriale Gemeinde, Bischöfe eine übergeordnete Diözese und der Papst als „primus inter pares“ die weltweite römisch-katholische Kirche. Im Vergleich zu vielen multinationalen Konzernen könnte man das durchaus als „lean management“ bezeichnen. Der zu seiner Zeit berühmt-berüchtigte Bischof Kurt Krenn pflegte richtigerweise zu betonen: „Mein Chef ist nicht der Vorsitzende der Bischofskonferenz, sondern der Papst!“
  2. In nahezu allen kirchlichen Organisationen gibt es Gremien oder Räte, die auf unterschiedliche Weise Mitwirkung und oft auch Mitsprache der Beteiligten gewährleisten sollen. Denn Pfarrgemeinden, karitative Institutionen oder geistliche Bewegungen lassen sie sich nur bedingt mit Unternehmen vergleichen. Es gilt immer, eine sorgfältig Balance zwischen den unterschiedlichen Protagonisten herzustellen. Eine bloße Befehlskultur würde nicht nur dem jesuanischen Vorbild von Leitung widersprechen, sondern – wie historisch hinlänglich bewiesen – fast immer zu schlechteren Ergebnissen führen als beteiligende beziehungsweise synodale Prozesse. Ein Pfarrer kann noch so viel autoritär anschaffen (wollen), letztlich muss er die Menschen auch im Herzen gewinnen und zum Mitmachen motivieren.
  3. Vielen ist überhaupt nicht bewusst, wie vielfältig „die Kirche“ auch auf der organisationalen Ebene ist. So etwas wie ein monolithischer Block existiert nicht. Dazu einige ausgewählte Zahlen: Es gibt aktuell knapp 3.000 katholische Diözesen mit Hunderttausenden Pfarrgemeinden. Es gibt über 200.000 katholische Schulen und Hunderte Universitäten. Die Caritas als eigenständige katholische Organisation ist allein in Deutschland einer der größten Arbeitgeber mit Tausenden Einrichtungen in unterschiedlichen Bereichen. Diese Vielfalt innerhalb des Daches der Katholischen Kirche ist nur in großer Subsidiarität bewältig- und gestaltbar. Eine zentralistische Führung würde sich rasch als dysfunktional erweisen.

Im Vatikan, der Zentrale der römisch-katholischen Kirche, arbeiten nicht einmal 5000 Menschen. Das ist angesichts 1,4 Milliarden Mitgliedern, Hunderttausender Priester und Millionen weiterer hauptamtlich tätiger Personen unglaublich wenig. Allein in der EU sind etwa 55000 Menschen in der Zentrale beschäftigt.

Wer nur ein bisschen von Management und Organisationsentwicklung versteht, dem wird klar sein, dass mit diesen Personalressourcen keine zentralistische Verwaltung vergleichbar in einem multinationalen Konzern möglich ist, selbst wenn man es wollte.

 

Hintergrund der aktuellen Blogstaffel:

Vor einigen Jahren beeindruckte und beeinflusste das Buch „Factfulness“ und die Stiftung „Gapminder“ meine Sicht der Welt und mein Denken über Probleme und deren Lösung.

In dieser Blogstaffel möchte ich einige Prinzipien dieses Buches auf die Kirche anwenden. Mit zehn simplen Beispielen soll aufgezeigt werden, dass auch in diesem Bereich wesentlich mehr Fortschritte erzielt werden konnten als von vielen wahrgenommen wird. Damit sollen Probleme und Rückschritte nicht geleugnet oder relativiert werden. Im Gegenteil, der Blick auf bereits Gelungenes soll Kraft und Kreativität auslösen, sich weiterhin lösungsorientiert und leidenschaftlich für Innovationen zu engagieren.

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Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

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