Die Lehre zu Sexualität ist rückschrittlich
Georg Plank

Die Lehre zu Sexualität ist rückschrittlich

Obwohl heute in der kirchlichen Verkündigung nur sehr wenig über Sexualität gesagt wird, sind die meisten Menschen überzeugt, dass die Kirche bei diesem Thema hoffnungslos rückständig ist. Sie reduziere Sexualität ausschließlich auf Fortpflanzung und verurteile alles, was heutigen Menschen Lust und Freude bereitet. Sexuelle Aktivität vor der Ehe sei eine schwere Sünde. Nicht nur die Abtreibung wird ausnahmslos abgelehnt, sondern unverständlicherweise auch jegliche Form sogenannter künstlicher Empfängnisverhütung. Überhaupt mische die Kirche sich völlig unberechtigt in zutiefst persönliche, ja private Bereiche der Menschen ein. Noch dazu kämen diese Aussagen in der Regel von „alten weißen Männern“, die von Sexualität keine Ahnung hätten beziehungsweise haben dürften.

Stimmt dieses Meinungsbild mit der Wirklichkeit überein?

Der Theologe Karl Veitschegger sagt dazu: „In puncto Sexualität ist früher tatsächlich zu viel von Sünde geredet worden und zu wenig davon, dass Sexualität zuerst einmal ein wunderbares Geschenk Gottes ist. Bis heute ist weithin unbekannt, dass eines der schönsten erotischen Lieder der Weltliteratur in der Bibel steht – das Hohelied im Alten Testament. Zu lange betrachtete man nur mit Argwohn, was heute Gott sei Dank zustimmend von der Kirche so formuliert wird: Die Geschlechtlichkeit ist eine Quelle der Freude und Lust. (Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 2362). Freilich ist Sexualität ein Geschenk, mit dem wir Menschen auch verantwortungsvoll umgehen müssen. Liebe, Treue, Ehrlichkeit, Zärtlichkeit, Respekt vor möglichem neuen Leben, Rücksichtnahme, ja auch das Verzichten-Können – all das gehört dazu, wenn menschliche Sexualität nicht nur einem kurzen Vergnügen, sondern wirklich dem Lebensglück des Menschen dienen soll. Darauf wollen kirchliche Normen letztlich hinweisen. Menschliche Sexualität soll Ausdruck persönlicher Liebe sein und nicht zum Konsumartikel, zur Ware, zur bloßen Lusttechnik verkommen.“

Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965 lässt sich also ein fundamentaler Wandel feststellen. Neben dem Aspekt der Fruchtbarkeit, der übrigens für viele Menschen, die keine Kinder bekommen können, eine sehr leidvolle Erfahrung sein kann, betont die Kirche immer wieder, dass menschliche Sexualität Ausdruck der personalen Liebe ist. Angesichts des ungeheuren Ausmaßes einer globalen ausbeuterischen Pornoindustrie und des anhaltenden Missbrauchs in vielen gesellschaftlichen Bereichen inklusive vieler Kirchen, ist diese simple Botschaft von Sexualität als Ausdruck von Liebe und personaler Würde unerlässlich. Sie schützt nicht nur die Schwächeren, sondern macht Sexualität zu einer menschlichen Erfahrung, die uns mit Gott, der Quelle des Lebens und aller Liebe, verbindet.

Es hat sich also etwas getan, auch wenn es noch viel Spielraum für weitere Entwicklungen gibt, v.a. im Blick auf humanwissenschaftliche Forschungen zu Gender, Sexualität und Identität.

 

Hintergrund der aktuellen Blogstaffel:

Vor einigen Jahren beeindruckte und beeinflusste das Buch „Factfulness“ und die Stiftung „Gapminder“ meine Sicht der Welt und mein Denken über Probleme und deren Lösung.

In dieser Blogstaffel möchte ich einige Prinzipien dieses Buches auf die Kirche anwenden. Mit zehn simplen Beispielen soll aufgezeigt werden, dass auch in diesem Bereich wesentlich mehr Fortschritte erzielt werden konnten als von vielen wahrgenommen wird. Damit sollen Probleme und Rückschritte nicht geleugnet oder relativiert werden. Im Gegenteil, der Blick auf bereits Gelungenes soll Kraft und Kreativität auslösen, sich weiterhin lösungsorientiert und leidenschaftlich für Innovationen zu engagieren.

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Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

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Ein Kommentar
  1. Wenn Gott, so wie wir es verstehen, uns die Sexualität als Geschenk übergeben hat, dann sollte die Kirche gut darauf achten, den Menschen dieses Geschenk in seiner Vielfalt nicht madig zu machen.

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