Porträt eines nachdenklichen Mannes mit Tora-Rolle, dunkler expressionistischer Stil
Georg Plank

Die spirituelle Dimension der Komplexität

Die Unplanbarkeit komplexer Systeme hat eine tiefe spirituelle Dimension. Sie erinnert uns daran, dass wir nie die vollständige Kontrolle haben – und auch nicht haben dürfen und auch nicht müssen. Was die Bibel und die kirchliche Tradition mit der dritten göttlichen Person, der RUACH, dem Heiligen Geist, zu beschreiben versuchen, diese „Energie Gottes“ wirkt. Oft still und unbemerkt wie ein Säuseln, oft auch überraschend und jenseits unserer Pläne. Die biblische Tradition ist voll von Geschichten, in denen Gott Menschen in unerwarteten Situationen begegnet: Abraham wird in ein unbekanntes Land gerufen. Mose begegnet Gott in einem brennenden Dornbusch. Die Apostolin Maria Magdalena begegnet dem Auferstandenen im Garten und erkennt ihn, als er ihren Namen ruft. Die Jünger erleben Pfingsten als unplanbares Ereignis. Die Apostelgeschichte ist voller Abenteuer, wie sich die junge, dynamische und chaotische Jesuserzählung gegen viele Drangsale im ganzen Mittelmeerraum auszubreiten beginnt – immer wieder explizit unter Führung dieses Heiligen Geistes. Diese Geschichten ermutigen uns, Ungewissheit aufgrund von Komplexität nicht nur als Problem, sondern auch als Raum für Gottes Wirken zu verstehen.

Wie können Sie das Verständnis von Kirche als komplexes System in Ihren Alltag und in ihre geistliche Praxis integrieren? Hier einige Anregungen:

  1. Beginnen Sie Sitzungen mit Zeiten des Hörens: Gemeinsames Hören auf Gottes Wort, Raum für persönliche Wahrnehmungen und Erfahrungen, Raum für Fragen statt sofort schneller Antworten
  2. Fördern Sie Vielfalt und unterschiedliche Perspektiven: Bewusst verschiedene, auch kirchenkritische Menschen einbeziehen, unterschiedliche Formate für Beteiligung anbieten, die Weisheit der „Ränder“ ernst nehmen
  3. Schaffen Sie Räume für Begegnung und Austausch: Informelle Treffen neben formellen Gremien, Zeit für persönlichen Austausch einplanen, digitale und analoge Vernetzungsmöglichkeiten schaffen
  4. Etablieren Sie eine Kultur des Experimentierens: Kleine Versuche ermutigen und unterstützen, aus Erfahrungen gemeinsam lernen, Erfolge feiern und Misserfolge als Lernchance sehen
  5. Reflektieren Sie regelmäßig: Was haben wir beobachtet? Wo spüren wir Leben und Energie? Was lernen wir daraus für die nächsten Schritte?

In meinem Buch „Pastoralinnovation“ führe ich näher aus: „Veränderung ist kein linearer Prozess, sondern gleicht eher einer Spirale: Wir bewegen uns vorwärts, indem wir immer wieder innehalten, zuhören, reflektieren und anpassen. In diesem Sinne ist Gegenwind kein Gegner, sondern ein Begleiter auf dem Weg zu einer lebendigen, zukunftsfähigen Kirche.“

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Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

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