Georg Plank

Drei Wege, um neue Ehrenamtliche zu finden

Die Suche nach engagierten Ehrenamtlichen gehört zu den drängendsten Herausforderungen vieler Pfarrgemeinden und anderer kirchlicher Organisationen. Während früher oft eine einfache Ankündigung im Pfarrbrief oder ein Appell des Pfarrers genügte, um Freiwillige zu gewinnen, gestaltet sich die Situation heute deutlich schwieriger. Viele Verantwortliche fragen sich: Wie können wir Menschen erreichen, die bereit sind, ihre Zeit und Talente einzubringen? Die gute Nachricht: Es gibt bewährte und auch neue Wege, die funktionieren – vorausgesetzt, man ändert die eigene Perspektive.

In diesem und dem folgenden Artikel stelle ich Ihnen drei konkrete Ansätze vor, die sich in der Praxis kirchlicher Gemeindevitalisierung bewährt haben.

 

Die zentrale Erkenntnis aus unseren LIVT-Kursen

Gemeinden wachsen heute meist nach einem anderen Muster als früher. Statt „believing – belonging – engaging“ gilt heute die Reihenfolge: „belonging – engaging – believing“. Das heißt, Menschen möchten sich zunächst willkommen und zugehörig fühlen (belonging). Das ist die Voraussetzung, Lust zu bekommen, selbst mitzugestalten (engaging), bevor sie möglicherweise zu tieferem Glauben finden (believing). Diese Reihenfolge mag für manche ungewohnt sein, aber sie entspricht der Realität vieler Menschen heute. Statt dies zu beklagen, können Sie diese Dynamik nutzen und bewusst Räume schaffen, in denen Menschen sich zugehörig fühlen und ihre Talente einbringen können. Das große Vorbild für diesen Ansatz ist übrigens der Mann aus Nazareth selbst: Jesus begegnete Menschen dort, wo sie waren, erkannte ihre Potenziale und bevollmächtigte sie, Außergewöhnliches zu tun – oft zu ihrer eigenen Überraschung.

Diese Umkehrung erfordert großen Respekt vor der persönlichen Freiheit und hat weitreichende Konsequenzen für die Art und Weise, wie Sie Menschen für Engagement gewinnen können.

 

Weg 1 nennen wir den klassischen Weg

Diese Form hat es immer gegeben und wird es immer geben, auch wenn dieser Weg nicht mehr für alle Anforderungen ausreicht. Konkret gibt es bestimmte Jobs, ob haupt- oder ehrenamtlich, und Sie suchen dafür geeignete Menschen. Kirchen brauchen einfach pastorale Mitarbeiter:innen, administrative Kräfte, Bau- oder IT-Expert:innen bzw. Ministrant:innen, Caritasverantwortliche oder Pfarrgemeinderäte.

Bei diesem Weg ist eine aussagekräfte Job-Beschreibung hilfreich, aus der ersichtlich wird, worum es genau geht, welche Qualifikationen notwendig sind, welcher Aufwand gefordert ist und was potenziell Interessierten seitens des Arbeitgebers geboten wird.

 

Weg 2 ist der persönliche Weg

Dieser Weg geht von den Talenten und Neigungen der Menschen aus. Er dreht die übliche Logik um. Statt zu fragen „Welche Aufgaben müssen erledigt werden?“ beginnen Sie mit der Frage: „Welche Talente bringen Menschen mit?“

Dieses Konzept der gabenorientierten Mitarbeiterschaft basiert auf der Überzeugung, dass jeder Mensch einzigartige Fähigkeiten und Begabungen mitbringt. Diese zu entdecken, wertzuschätzen und in möglichen konkreten Tätigkeiten und Projekten Raum zu geben, ist dabei der Schlüssel zu nachhaltigem Engagement.

Unser Tipp: Führen Sie Talentgespräche statt Aufgabengespräche: Fragen Sie Menschen nicht zuerst, ob sie eine bestimmte Funktion übernehmen möchten, sondern erkunden Sie ihre Stärken und Interessen. Fragen Sie einfach: Was tust du gerne? Was kannst du gut? Darüber reden Menschen gerne. Dann kann die Anschlussfrage lauten: Kannst du dir vorstellen, das ab und zu auch mit und für andere zu tun? Aus diesem Zugang können völlig neue Initiativen entstehen! Leute, die gerne „garteln“, pflegen vielleicht das Blumenbeet vor dem Kircheneingang und gestalten es jahreszeitlich.

Dafür steht eine Kammer für Werkzeug und ein kleines Budget für die Pflanzen zur Verfügung. Außerdem finden sich eventuell Mitstreiter:innen, dann ist es für alle lustiger!

Bitte gewährleisten Sie, dass klar ist, wer für diese neuen Engagierten konkret zuständig ist, sie unterstützt und wie ein:e gute:r Mentor:in einfach da ist.

 

Manche Gemeinde entwickeln dazu einen regelmäßigen „Talente-Marktplatz“: Sie organisieren Veranstaltungen, bei denen Menschen ihre Fähigkeiten vorstellen können – von handwerklichen Fertigkeiten über musikalische Begabungen bis zu organisatorischem Geschick.

Damit schaffen Sie Rollen statt Ämter. Sie definieren flexible Einsatzmöglichkeiten, die sich an den vorhandenen Talenten orientieren, statt immer nur starre Strukturen und traditionelle Aufgaben vorzugeben.

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