Freikirchen sind gefährlich
Georg Plank

Freikirchen sind gefährlich

Nachweislich haben viele Menschen im deutschsprachigen Raum sehr klare Meinungen über die USA, ihre Politik, ihre Gesellschaft und auch ihre Kirchen. Vor allem wenn es um die bunte Palette der Freikirchen geht, tendieren die meisten Menschen zu einer deutlich negativen Bewertung. Für viele sind diese oft evangelikal geprägten Kirchen aufgrund ihrer angeblich sektenähnlichen Praktiken problematisch. Sie manipulierten ihre Mitglieder mit subtilen Methoden, nutzten individuelle Schwachstellen aus und betrieben finanziellen, geistigen und manchmal auch sexuellen Missbrauch. In gesellschaftspolitischen Fragen nähmen Sie fundamentalistische Haltungen ein. Sie seien strikte Abtreibungsgegner und zugleich Anhänger liberaler Waffengesetze. Die Liste der Vorwürfe ist lang.

Stimmt es also, dass alle Freikirchen gefährlich sind?

Obwohl oder gerade weil ich immer wieder in den USA gelebt habe und dabei viele Freikirchen besuchen und persönlich erleben konnte, bin ich sehr vorsichtig geworden mit schwarz-weiß Beurteilungen und Pauschalverurteilungen. Viele Vorwürfe sind leider auch in den verfassten Kirchen unserer Ländern nicht ohne Grundlage.

Die religiöse Landschaft der USA ist einem fundamentalen Wandel unterworfen. Einerseits nimmt die Zahl der sogenannten „Nones“ massiv zu. Damit sind Menschen ohne religiöse Bindung gemeint, die mit etwa 30% mittlerweile die größte Einzelgruppe sind. Alle Kirchen, ob katholisch, „mainstream protestant“ oder freikirchlich, schrumpfen zahlenmäßig. Andererseits wirken sich gesellschaftliche Trends wie Polarisierung, Individualisierung und Institutionsmisstrauen auch auf Kirchen aus.

Tendenziell schrumpfen diejenigen Kirchen, die glauben, die neuen Probleme mit alten Lösungen bewältigen zu können. Mittlerweile haben sich einige sogenannte „non-denominational churches“ etabliert, die sich unter Wahrung evangelikaler Grundsätze wie Bibeltreue, persönliche Glaubensüberzeugung und Engagement in einer Gemeinde intensiv mit gesellschaftlichen Veränderungen auseinandersetzen. Sie haben erkannt, dass Sie in einem offenen Dialog mit den jungen Generationen treten müssen, um deren Lebenswelt, deren Werte und Gefühle besser verstehen zu können. Es gibt viele Beispiele für „postmoderne“ Kirchen, die völlig neue Wege gehen und dabei durch Trial und Error lernfähig bleiben.

Meiner Erfahrung nach kann man von solchen Kirchen viel lernen, ohne in allen inhaltlichen Fragen übereinstimmen zu müssen. Gerade der Kontrast lässt schärfer sehen. Dabei sollte man sich ein eigenes Bild machen und nicht nur auf Medienberichte verlassen. Da es im deutschsprachigen Raum geschätzte eine Million Mitglieder von Freikirchen gibt, bieten sich viele Gelegenheiten an, solche Kirchen zu besuchen und kennenzulernen.

 

Hintergrund der aktuellen Blogstaffel:

Vor einigen Jahren beeindruckte und beeinflusste das Buch „Factfulness“ und die Stiftung „Gapminder“ meine Sicht der Welt und mein Denken über Probleme und deren Lösung.

In dieser Blogstaffel möchte ich einige Prinzipien dieses Buches auf die Kirche anwenden. Mit zehn simplen Beispielen soll aufgezeigt werden, dass auch in diesem Bereich wesentlich mehr Fortschritte erzielt werden konnten als von vielen wahrgenommen wird. Damit sollen Probleme und Rückschritte nicht geleugnet oder relativiert werden. Im Gegenteil, der Blick auf bereits Gelungenes soll Kraft und Kreativität auslösen, sich weiterhin lösungsorientiert und leidenschaftlich für Innovationen zu engagieren.

Weitere Artikel

Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

Georg Plank·Vor 2 Tagen ·3 min. Lesedauer
Kirche stirbt aus

Kirche stirbt aus

Viele Studien und Medienberichte im deutschsprachigen Raum deuten darauf hin, dass die großen verfassten Kirchen, also die römisch-katholische und die...

Georg Plank·Vor 2 Wochen ·3 min. Lesedauer
Die Lehre zu Sexualität ist rückschrittlich

Die Lehre zu Sexualität ist rückschrittlich

Obwohl heute in der kirchlichen Verkündigung nur sehr wenig über Sexualität gesagt wird, sind die meisten Menschen überzeugt, dass die...

Georg Plank·Vor 3 Wochen ·3 min. Lesedauer
Freikirchen sind gefährlich

Freikirchen sind gefährlich

Nachweislich haben viele Menschen im deutschsprachigen Raum sehr klare Meinungen über die USA, ihre Politik, ihre Gesellschaft und auch ihre...

Schreibe einen Kommentar

Newsletter

Ich möchte am Laufenden bleiben.