Georg Plank

Leading Up – Einfluss ausüben, wenn man nicht der Boss ist

(Inspiriert von Craig Groeschels „How to Lead When You’re Not in Charge“)

Kennen Sie dieses frustrierende Gefühl: Sie haben eine gute Idee, aber nicht die formale Macht, sie umzusetzen. Muss das wirklich so sein? Craig Groeschel räumt mit dem Mythos auf, dass man unbedingt einen Titel oder eine Machtposition braucht, um zu führen, also Einfluss zu haben. Er behauptet: Leadership ist Einfluss, nicht Position.

Das Konzept des „Leading Up“ (Führen nach oben) ist in der kirchlichen Hierarchie besonders wertvoll, da Pastor:innen oft eine enorme Arbeitslast tragen und Kapläne, Pastoralassistent:innen oder ehrenamtliche Gremienvorsitzende durch kluges „Leading Up“ den Erfolg der gesamten Gemeinde fördern und sogar steuern können.

„Leading Up“ bedeutet nicht, die Vorgesetzten zu manipulieren, sondern sie so zu unterstützen, dass sie ihre Arbeit bestmöglich leisten können und diese Wirkungen zeitigt.

Hier sind konkrete Beispiele für Sie, wie Sie dies in einer Pfarrgemeinde umsetzen können:

 Vom „Problemmelder“ zum „Lösungsanbieter“

Statt den Pfarrer oder die Pfarrerin mit einem neuen Problem zu konfrontieren, bereiten Sie die Entscheidung so vor, dass er oder sie nur noch „Ja“ sagen muss.

  • Schlechtes Beispiel: „Herr Pfarrer, das Kirchendach leckt, wir müssen da dringend was machen. Was sollen wir tun?“
  • Leading Up Beispiel: „Herr Pfarrer, das Kirchendach ist an einer Stelle undicht. Ich habe bereits zwei Kostenvoranschläge von lokalen Firmen eingeholt und mit dem Bauamt der Diözese geklärt, welche Förderungen möglich sind. Mein Favorit ist Firma X, weil sie sofort starten könnten. Darf ich den Auftrag in Ihrem Namen finalisieren?“
  1. Den „Blinden Fleck“ des Vorgesetzten abdecken

Jede:r Leiter:in hat Stärken und Schwächen. Wenn Ihr:e Pfarrer:in beispielsweise ein: brillante:r Prediger:in, aber ein:e schwache:r Organisator:in ist, führen Sie, indem Sie das Organisatorische proaktiv übernehmen.

  • Konkrete Umsetzung: „Ich habe gemerkt, dass die Agenda für die Gemeinderatssitzung nächste Woche noch sehr umfangreich ist. Wenn Sie möchten, erstelle ich einen Entwurf für die Priorisierung der Themen, damit wir uns auf die geistlichen Fragen konzentrieren können und die Verwaltungspunkte schnell abhaken.“
  1. „Loyalität in der Abwesenheit“ praktizieren

Leading Up bedeutet auch, das Ansehen des Vorgesetzten vor der Gemeinde zu schützen, besonders wenn Kritik aufkommt.

  • Situation: Ein Gemeindemitglied beschwert sich bei Ihnen über eine Entscheidung des Pfarrers oder der Pastorin.
  • Leading Up Beispiel: „Ich verstehe Ihre Enttäuschung, aber ich kann Ihnen versichern, dass sich der Pfarrer diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Er sieht Aspekte der gesamten Pfarrei, die wir vielleicht im Moment nicht alle im Blick haben. Lassen Sie uns schauen, wie wir das Beste aus der Situation machen.“
    Zusatzschritt: Informieren Sie den Pfarrer oder die Pastorin später unter vier Augen: „Ich habe heute Kritik zu Thema X gehört und habe versucht, Ihre Position zu erklären. Vielleicht wäre ein klärendes Wort im nächsten Newsletter hilfreich.“
  1. Informationen „dosieren“ und Entscheidungshilfen bieten

Pfarrer:innen leiden oft unter Informationsüberflutung. Führen Sie daher durch Selektion.

  • Konkrete Umsetzung: Senden Sie keine 10 E-Mails pro Tag. Nutzen Sie ein kurzes wöchentliches Update-Gespräch (z.B. 15 Minuten am Montagmorgen) mit einer klaren Struktur:
    1. Zur Info: Dinge, die der/die Vorgesetzte wissen muss, aber nichts tun muss
    2. Zur Entscheidung: Punkte, bei denen er oder sie eine Freigabe geben muss
    3. Ihr Erfolg: Positive Rückmeldungen aus der Gemeinde, die er oder sie oft nicht direkt mitbekommt
  1. Den „Warum-Kontext“ liefern

Manchmal versteht eine Leitung die Relevanz neuer Trends wie soziale Medien oder innovative Projekte nicht sofort. Führen Sie hier durch geduldige Aufklärung.

  • Leading Up Beispiel: „Ich weiß, Sie stehen Facebook und Instagram skeptisch gegenüber. Aber ich habe beobachtet, dass wir dort die 20- bis 40-Jährigen erreichen, die sonntags nicht mehr in der Kirchenbank sitzen. Ich habe einen Plan erstellt, wie wir dort wöchentlich einen Impuls Ihrer Predigt teilen können. Darf ich das für vier Wochen testen und Ihnen dann die Ergebnisse zeigen?“

Die goldene Regel des Leading Up:

Ihr Ziel ist es, dass Ihre Gemeinde zukunftsfit und erfolgreich ist. Das ist nie ohne den Pfarrer oder die Pastorin möglich. Unterstützen Sie sie also, dass sie als Vorgesetzte erfolgreich sind. Wenn der Pfarrer oder die Pastorin Erfolgserlebnisse hat und weiß, dass Sie ihn respektieren und aktiv unterstützen, gewinnen Sie das Vertrauen, das Sie brauchen, um langfristig die Vision der ganzen Gemeinde mitzugestalten.

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Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

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