Sportkirche
Georg Plank

Sportkirche

Mit Sport und Bewegung können Gemeinden viele Brücken zu den Lebenswelten heutiger Menschen bauen. Dazu wurden in den letzten Jahrzehnten viele Angebote entwickelt, durch die Menschen sich lebendiger fühlen. Denn Körper, Seele und Geist bilden eine Einheit! Die Bibel nennt diese Einheit

„Leib“. Immer mehr Menschen entdecken diesen dynamischen Zusammenhang und sind bereit, ihren Teil dazu beizutragen. Mit den Themen Sport, Bewegung und Gesundheit kann man tatsächlich zu ALLEN Menschen Brücken bauen, nicht nur zu den Milieus, die traditionell offen sind für Kirche und Glauben.

Ein spezielle Idee nenne ich Sportkirche im engeren Sinn. Ich habe sie im Rahmen meines ehrenamtlichen Engagements in der DSG-Steiermark gemeinsam mit anderen entwickelt (DSG = Diözesansportgemeinschaft).

Die Vision lautet:  Wir wollen an einem ausgewählten Ort, einer dafür geeigneten Kirche bzw. einem Pfarrgemeindezentrum, Menschen durch Sport und Bewegung mit der Frohen Botschaft in Berührung bringen, insbesondere solche, die mit Kirche im traditionellen Sinn wenig oder nichts zu tun haben.

Wie soll das realisiert werden? Als Strategie planten wir: Eine bestehende Pfarrgemeinde macht sich die Vision der Sportkirche zu eigen, entwickelt ein qualifiziertes Profil dafür, baut die notwendigen fachlichen, organisatorischen und pastoralen Kompetenzen auf und gewinnt so eine regional und milieuspezifisch neue Ausstrahlung. Es entsteht ein neuer Kirchort, der in der Verbindung von Sport und Seelsorge neue pastorale Felder erschließt.

Die DSG begann vor einigen Jahren, im Raum Graz eine geeignete Location zu suchen und mit diversen Stakeholdern ins Gespräch zu kommen. Als Kompetenzzentrum für „Kirche und Sport“ stünde die DSG dem pastoralen Team für die Konzeption der Sportkirche und Durchführung sportspezifischer und erlebnisorientierter Angebote zur Verfügung.

Das Projekt versteht sich als Konkretisierung und Baustein an der Schnittstelle von Kirche und Sport.

Als Voraussetzungen formulierten wir:

  • Die Kirche bzw. das Pfarrgemeindezentrum sollten keinen hohen und schützenswerten kunsthistorischen Wert haben, der eine entsprechende Adaptierung der Räumlichkeiten (wie z.B. das Errichten einer Boulder-Wand oder eine flexible Bestuhlung) erschweren bzw. unterbinden würde.
  • Es müssen Räumlichkeiten zur Verfügung stehen, die als multimodaler Trainingsraum, Gesprächsraum, Meditationsraum, Orte der Kommunikation und Begegnung, Büro etc. genutzt werden können.
  • Freiflächen (Wiese, Garten, Park, Sportplatz) im Bereich um die Kirche, die für sportliche Aktivitäten genützt werden können, sind erwünscht.
  • Gute Erreichbarkeit auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist wünschenswert.

Was könnte dort geschehen:

  • Regelmäßige sportliche Angebote für Gruppen: Fitnesstrainings, Pilates, Yoga, Meditationen, Alpha-Lauf, Meditatives Laufen oder Nordic-Walken, etc.
  • Ausgangspunkt für Rad- oder Wandertouren mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad
  • Angebote für einzelne (Bouldern, Tischtennis, Drehfußball, Kraftkammer, etc.) zu bestimmten Zeiten, zum Teil verbunden mit fachkundiger Anleitung oder Möglichkeit zu persönlichem Gespräch bzw. geistlicher Begleitung.
  • Unterschiedliche Formen von spirituellen Angeboten: Gebete, Worship, Sportgottesdienste, Pilgerangebote etc. Auch diese sollen in ihrer Art erlebnisorientiert und innovativ sein, also neue Zugänge zu Gebet und Gottesdienst erschließen. Sie sollen also besonders jene Menschen in den Blick nehmen, die nicht regelmäßig am kirchlichen Leben teilnehmen, und ihnen Berührungspunkte mit Glauben und Kirche ermöglichen.
  • Beratung und Unterstützung für Pfarren, die auch sportliche Angebote entwickeln wollen. Die Sportkirche soll gleichsam als Ideenpool für andere Pfarren fungieren und dazu einladen, einzelne Aktivitäten kennenzulernen und auszuprobieren.
  • Besonderes Augenmerk soll auf die Integration bzw. Inklusion von sozial benachteiligten Menschen gelegt werden. Sport kann über gesellschaftliche und kulturelle Grenzen hinweg Menschen verbinden.
  • Die notwendige personelle Besetzung muss sichergestellt sein, wobei ein:e hauptamtliche:r Leiter:in auf den Aufbau eines ehrenamtlichen Trainerpools und spartenspezifischer Teams fokussiert.

Bis dato konnte diese Idee nicht realisiert werden. Vielleicht inspiriert diese „gestorbene“ Idee jedoch den einen oder die andere Leser:in, sodass sich daraus eine eigene Initiativen entwickelt: kreativ, kontextuell und fruchtbar?

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