„Schwammstädte“ bzw. „Sponge Cities“ werden weltweit zu einer Schlüssellösung für die städtische Wasserbewirtschaftung angesichts des Klimawandels. Unterschiedliche Städte wie Songdo, Xiamen, New York, Kopenhagen, Melbourne und Berlin demonstrieren den Erfolg der Integration natürlicher Systeme mit städtischer Infrastruktur, um Überschwemmungen zu reduzieren, die Wasserqualität zu verbessern und Nachhaltigkeit zu fördern. Die entsprechenden Fallstudien bieten wertvolle Einblicke in die Zukunft der wassersensitiven Stadtentwicklung.
Dieses Konzept ist auch eines der ehrgeizigsten urbanen Ökologieprojekte Chinas. In Wuhan, einer der Pilotstädte, lässt sich besonders gut beobachten, wie dieses Konzept in der Praxis umgesetzt wird.
Ziele von Schwammstadt-Projekten:
- Regenwasser-Nutzen statt Flutschaden: Mindestens 70 % des jährlichen Niederschlags sollen direkt vor Ort absorbiert, durch natürliche Boden- und Pflanzenfilter gereinigt, gespeichert und wiederverwendet werden.
- Wärmeinseln & Ökologie: Minderung des urbanen Hitzestau-Effekts und Wiederherstellung artenreicher Biotope
- Grundwasserspiegel halten: Verhindern des Absinkens von Grundwasserspiegeln in stark verdichteten Ballungsräumen.
Wuhan ist historisch von Flussauen des Yangtse und des Han-Flusses geprägt, leidet jedoch stark unter urbaner Verdichtung und „grauer Infrastruktur“, also der Ableitung von Regenwasser durch Betonkanäle.
Neu ist der Yangtse River Beach Park. Eine ehemals brachliegende Industrie- und Küstenzone wurde in einen 7,5 km langen Park verwandelt. Anstelle breiter Deiche wurden abgestufte Terassen, Sumpfgebiete, Schilfgürtel und versickerungsfähige Gehwege angelegt. Bedeutsam ist auch die Entsiegelung im Wohnungsbau. In Pilotbezirken wurden Hunderttausende Quadratmeter Pflasterbelag durch poröse Sedimentsteine ausgetauscht. Regenwassersammelbecken unter Spielplätzen speisen heute die Bewässerung der Parks.
Messbare Erfolge
- Effektive Notfall-Entlastung bei normalen Starkregen: Nach Abschluss der ersten Phase benötigte Wuhan 2020 nach heftigen Regenphasen nur noch sechs Stunden, um Überflutungen auf Hauptstraßen abzubauen – im Jahr 2016 dauerte dies noch über 24 Stunden.
- Mikroklima: In begrünten Schwammstadt-Bezirken konnte die lokale Sommer-Temperatur messbar um 1,5 bis 2 °C gesenkt werden.
Misserfolge & Rückschläge
- Überforderung durch Extremwetter: Die Schwammstadt-Standards wurden auf Basis historischer Daten berechnet. Heutige extreme Wetterereignisse sprengen oft das Fassungsvermögen. Wenn 200–300 mm Regen in wenigen Stunden fallen, stößt auch das beste biologische Schwamm-System an seine Grenzen.
- Gefahr von „Insel-Lösungen“: Stellenweise wurden wunderschöne Schwammstadt-Bezirke gebaut, die jedoch wie isolierte Inseln funktionierten, weil das umliegende gesamtstädtische Entwässerungsnetz veraltet ist.
- Wartungsmängel: Gründächer, Bio-swales und Filterbecken verschlammen ohne kontinuierliche Wartung rasch und verlieren ihre Filter- und Absorptionsfunktion.
Was können kirchliche Führungskräfte aus der Schwammstadt-Idee lernen?
Lassen sich nun in Analogie Prinzipien auf kirchliche Organisationen, Bistümer, Landeskirchen und Kirchengemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz übertragen? Dazu drei Anregungen:
- Ganzheitliche Systeme innovieren statt isolierte Projekte starten
Manche Misserfolge von Schwammstädten liegen daran, schöne Einzelprojekte zu bauen, ohne das Gesamtsystem mitzudenken. In Kirchen werden oft auch tolle Leuchtturmprojekte gestartet, ohne dass die nachgelagerte Struktur darauf eingestellt ist. Reformen und Innovationen müssen immer das Gesamtsystem im Blick behalten.
- Die Gefahr von „Schönwetter-Planungen“ erkennen
Schwammstädte scheitern dort, wo man sich nur auf historisch übliche Regenmengen vorbereitet hatte und dann von extremen Unwettern aufgrund des Klimawandels überrascht wurde. Kirchliche Strategieplanungen gehen oft ebenfalls von relativ sanften Übergängen aus (z. B. „wir verlieren 2 % Mitglieder pro Jahr“). Führungskräfte müssen sich jedoch auf disruptive Szenarien vorbereiten: Priester- bzw. Fachkräftemangel, Einbruch von Kirchensteuereinnahmen, Vertrauens- und Relevanzverluste … Daher gilt es, neue Szenarien zu entwickeln, die auch unter solchen Extrembedingungen tragfähig bleiben.
- Beteiligung und langfristige Wartung sichern
Ein Schwammstadt-Filterbecken verstopft, wenn sich niemand darum kümmert; Bürger:innen wandten sich ab, wenn sie nicht eingebunden wurden. Kirchliche Innovationen scheitern selten am Startschuss, sondern an fehlender Einbindung der Basis und fehlenden Ressourcen für die langfristige Begleitung. Führungskräfte dürfen nicht nur Pilotprojekte fördern, sondern müssen die dauerhafte Wartung sicherstellen und motivierende Partizipationsstrukturen etablieren.
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