Georg Plank

1.5.2026: „Irrglaube Höllenfeuer“

Jesus hat Gott als gütig geglaubt, ihm zugetraut, dass er zwischen Bösen und Guten, Gerechten und Ungerechten nicht einfach unserer Kurz- und Fehlsichtigkeit folgt (Mt 5,45), er hat dezidiert von dessen Feindesliebe gesprochen und damit all unsere Projektionen in Richtung Zorn und Gerechtigkeit Gottes als (unsere eigene) „Rache und Vergeltung“ (Dtn 32,35/Röm 12,19 und Hebr 10,30 nach der EÜ) entlarvt, denn das von der Bi-bel in Aussicht gestellte göttliche Handeln „aus dem Recht/der Gerechtigkeit heraus“ (ek-díkēsis) kann nicht einfach eine ewige Hölle bedeuten. Sie war dem oströmischen Kaiser Justinian um die Mitte des 6. Jahrhunderts zusammen mit der leiblichen Auferstehung der Toten aus den Gräbern wichtig, denn das Höllenfeuer sollte schon richtig schmerzen …

Das ist nun wirklich ein bitterer Nachgeschmack in der Geschichte unseres großartigen Glaubens, dass er uns von der staatlichen Obrigkeit und deren Interessen aufoktroyiert wurde, worauf die volkskirchlichen Restbestände in unseren Breiten immer noch beruhen. Ihnen können wir höchstens mit einem Auge nachweinen.
Statt uns weiter über seine Gottheit zu streiten und einander als Häretiker abzustempeln, sollten wir eher jenen Spuren folgen, die Jesus selbst uns vorzeichnete, wie auch wir Gott seelenverwandt werden können, indem wir z. B. Frieden machen und die Feinde lieben Mt 5,9.44f).

Quelle: Peter Trummer: Mit Jesus am Puls der Zeit. Ermutigung zum Christsein, Verlag Herder 2024, S. 184

Impuls: Gelingt es mir, mir den Glauben völlig frei von Furcht, Einschüchterung oder Drohungen vorzustellen – für mich und andere?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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