Georg Plank

22.5.2026: „Brotbrechen zukünftig“

Noch etwas charakterisiert das frühchristliche Brotbrechen: Es schließt in seiner Offenheit direkt an die Mahlgemeinschaften Jesu „mit Sündigen und Zöllnern“ an (Mk 2,16), bezieht auch die Außenseiter:innen mit ein und bewirkt so erstmals eine wirklich demokratische Gesellschaft wenigstens im Kleinen (während die griechische Demokratie noch ziemlich „aristokratisch“ organisiert war und zu viele Menschen ausschloss). Es war unmöglich, im Namen Jesu das Brot miteinander zu brechen und weiter-hin an den alten Strukturen festzuhalten, was Geschlecht, Moral, Herkunft, Stand usw. anlangt. Und genau diese allgemein sichtbaren, höchst revolutionären Auswirkungen der neuen Religion ermöglichten den Erfolg des Christentums, und das zu einer Zeit, die ein überreiches religiöses Konkurrenzangebot zu bieten hatte.

Doch das Brotbrechen reihum „in den Häusern“ konnte die Menschen wirklich überzeugen, begeistern, wörtlich mit „Jubel“ erfüllen, wo die Einheitsübersetzung nur sehr verhalten von „Freude“ spricht (Apg 2,46; vgl. Kap. 14 und 16), weil sie seine Bedeutung völlig unterschätzt.
Auch in der gegenwärtigen Kirchenkrise empfiehlt sich die Rückbesinnung auf diese Praxis des Urchristentums. Das Brotbrechen hängt jedenfalls nicht notwendig an einer Priesterweihe, sondern ermächtigt alle Menschen (nicht nur Christ:innen), selbst im Geist Jesu zu handeln und auf die eigenen spirituellen Bedürfnisse wie die ihrer Umwelt einfühlsam zu reagieren.

Quelle: Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Verlag Herder 2026, S. 172

Impuls: Wo bieten sich Chancen begeisternden Brotbrechens über alle Grenzen hinweg – ohne Clinch mit kirchlichen Vorschriften?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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