Georg Plank

12.5.2026: „Auferstehung im Tod“

Der Abba Jesu hat mit unserem Über-Ich nichts gemein. Er will das Heil aller Menschen (1 Tim 2,4). Es war höchst übergriffig von Kaiser Justinian um die Mitte des 6. Jahrhunderts, einen Ort zu definieren, von dem er Gott in alle Ewigkeit ausschloss. Wir haben ihm das lange genug abgenommen. Aber eine ewige Hölle und ein Gott, der zuletzt „alles in allem ist“ (1 Kor 15,28), das geht nicht wirklich zusammen. Vertrauen ist gefragt, nicht Angstmacherei (vgl. Kap. 12).
Nachtrag: Es ist mehr als bedenklich, wenn bei katholischen Begräbnissen noch so oft das (angeblich von Maria empfohlene) „Fatima-Gebet“ von 1917 zu hören ist: „O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, bewahre uns vor dem Feuer der Hölle …“, denn die lateinische Fassung dieses Anhangs zitiert wörtlich das Vaterunser (dimitte nóbis débita nóstra). Aber dieses richtet sich an Gott und nicht an Jesus, imaginiert keine negativen Bilder und Höllenängste.
Da hat die kirchliche Verkündigung insgesamt noch großen Nachholbedarf, denn wir feiern den Tod als Auferstehung und Vollendung, und nicht als den Beginn eines endlos bangen Wartens auf ein strenges Endgericht am „Tag des Zornes“ (dies irae).
Erlöster dürften wir aussehen, auch bei jedem Abschied am Grab.

Quelle: Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Verlag Herder 2026, S. 40

Impuls: Wie können Abschiedsfeiern von Verstorbenen den Glauben an die Auferstehung spürbar werden lassen? Wie stelle ich mir mein Begräbnis vor?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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