Georg Plank

14.04.2026: „Die Wahrheit macht frei für die Freiheit“

Die Evangelien sind keine Protokolle von Augenzeugen, die bloße Fakten erzählen, sondern nachträgliche Sinndeutungen mit mindestens einer Generation Abstand. Wir aber haben ein ganz anderes Weltbild und andere Weltbeschreibungen als die Orientalen vor 2.000 Jahren und müssen nicht nur herausfinden, was ursprünglich gemeint war, sondern auch prüfen und unterscheiden, welchen Sinn es für uns heute ergeben kann. Dem Johannesevangelium ist jede Opfer- und Sühnetheologie fremd, doch die abendländische Theologie hat sie überall heraus- und hineingelesen, und das erweist sich zunehmend als der eigentliche Sündenfall der Kirche, welche die göttliche Vergebung und Gnade in Eigenregie übernehmen und nur in genau bemessenen Portionen wieder abgeben wollte, während der Glaube Jesu eine autonome Mensch- und Selbstwerdung bewirkt.

Eine Opferrolle und Gnadenvermittlung durch Dritte haben dann nichts mehr verloren; sie verunreinigen nicht nur das Gottesbild, sondern entrücken auch das von Jesus angestrebte übervolle Leben (Joh 10,10) in unendlich weite Fernen. So war es nicht gemeint. Jesus Leben und Botschaft war ein richtiger Aufstand gegen alle niederdrückenden, auch religiösen Verhältnisse. Nur die Wahrheit kann uns frei machen für die Freiheit, auf die hin er uns befreit hat (Joh 8,32; Gal 5,1).

Quelle: Peter Trummer: Mit Jesus am Puls der Zeit. Ermutigung zum Christsein, Verlag Herder 2024, S. 75/76

Impuls: Wäre es den Versuch wert, täglich in der Bibel zu lesen?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

Pfingstkalender

Schreibe einen Kommentar

Newsletter

Ich möchte am Laufenden bleiben.