Georg Plank

16.04.2026 „Der johanneische Jesus“

Es war seine intensive Gottesbeziehung, die Jesus eine Seins-Erfahrung machen ließ, denn nur im bewussten Gegenüber zum reinen und absichtslosen Sein können wir unser eigenes Sein erfahren, unserem Da-Sein einen tragfähigen Sinn, einen festen Kern und Beziehungsfähigkeit zumuten, während uns sonst jeder Windhauch wie Espenlaub erzittern ließe, ins Nichts vertragen würde. Eine solche Erfahrung des „Ich bin“ ist nicht mehr rückgängig zu machen, sie trägt, lässt Widerstand noch in der größten Ohnmacht zu, sie ruft zum Aufstehen, zum Aufstand jetzt heraus. Jesus „lädt“ nach Johannes „sich selbst das Kreuz auf“ (Joh 19,17), braucht keinen Simon von Kyrene bei seinem Aufstieg nach Golgota, er ist am Kreuz zwar fixiert (die Nägel ergeben sich einzig aus der Thomasgeschichte von Joh 20,25), aber ganz bei sich und gestaltet sein Leben auch unter Todesschmerzen noch wach bis zum letzten Atemzug.

Und wenn wir fragen, wieso er sich das antut, dann kann die Antwort nur sein, er wollte sich und seiner Überzeugung treu bleiben, um aller Welt und uns zu beweisen, dass sein Gottesglaube ihn auch diese schlimmste Prüfung bestehen lässt. Nach Johannes wird Jesus am Kreuz nicht erniedrigt, sondern erhöht, nicht gedemütigt, sondern verherrlicht.

Quelle: Peter Trummer: Mit Jesus am Puls der Zeit. Ermutigung zum Christsein, Verlag Herder 2024, S. 67

Impuls: Wo fühle ich mich dem „Ich bin-Gott“ nahe? Sehne ich mich nach dieser Verbundenheit?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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