Georg Plank

16.5.2026: „Wie Wunder verstehen?“

Vor allem bei den Wundergeschichten ist ein wörtliches Verständnis irgendwann unweigerlich zum Scheitern verurteilt. Denn eine ein- oder zweimalige „Brotvermehrung“ (wie es in den Überschriften noch immer heißt), die Jesus bewirkt hätte, wäre eine groteske Angelegenheit. Hätte er tatsächlich Brot für so viele gleichsam aus dem Ärmel schütteln können („weil er ja Gott war“), was bringt das für all jene, die ein solches Spektakel garantiert nie miterleben? Und machte er sich nicht auch jedes Mal schuldig, wenn irgendwo Menschen und besonders Kinder verhungern und er seine Zauberkraft verweigerte?

Jedoch: Von Brotvermehrung steht nichts in der Bibel, die haben wir selbst hinein fantasiert, uns dabei aber endgültig vom Verstehen ausgetrickst. Denn die wunderbaren Speisungen, die erzählt werden und die Jesus, wenn auch in völlig anderer Weise, als wir meist meinen, tatsächlich bewirkt hat (und noch immer wirkt), ergeben einen viel tieferen Sinn.

Quelle: Peter Trummer: „Ich bin das Licht der Welt“. Meditationen zu biblischen Ich-bin-Worten, Verlag Herder 2026, S. 44/45

Impuls: Bin ich – verstärkt durch social media – auch wundersüchtig? Oder versuche ich den tieferen und bleibenden Sinn jesuanischer „Wunder“ zu ergründen?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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