Georg Plank

20.5.2026: „Brotbrechen am Anfang“

Die frühchristliche Ikonographie (vor allem in den Fresken der römischen Katakomben) bezieht sich – anders als die Texte es erwarten lassen – ausschließlich auf die wunderbaren Speisungen, und nie auf das Abendmahl … Und selbst die erste Darstellung des Abendmahls um 500 in Ravenna hat am Tisch noch Brot und Fisch, und nicht Brot und Wein. Diese Tradition ist bis heute ungebrochen, doch viele Gläubige wissen nicht davon. Die orientalischen und östlichen Liturgien … setzen nicht unbedingt auf den Einsetzungsbericht, geben ihm zumindest nicht dieselbe Stellung, dasselbe Gewicht wie der „römische Kanon“, der bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil das einzige Hochgebet der katholischen Messe war und den Eindruck erweckt, allein die priesterlichen Wandlungsworte wären entscheidend. Die griechische Orthodoxie zitiert diese zwar auch, erbittet aber erst mit der anschließenden Epiklése formell das Herabkommen des Heiligen Geistes. Nur die römische Liturgie stellt diese Anrufung voran, womit der folgende Satz des Priesters: „Das ist mein Leib“ zum eigentlichen Kern dem Geschehens wird …

Schon die dem Neuen Testament zeitgleiche Didaché (Zwölfapostel-)Lehre hat in ihrem Eucharistieformular überhaupt keinen Hinweis auf das Abendmahl, ebenso die 2001 von Rom offiziell anerkannte ostsyrische Liturgie des Addai und Mári. Und das bedeutet: Einzig das Brotbrechen war identitätsstiftend, wenn Christ:innen reihum „in den Häusern Brot in Herzens’einfalt‘ … und Jubel brachen“ (Apg 2,46).

Quelle: Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Verlag Herder 2026, S. 162/163

Impuls: Welche Perspektiven öffnet diese Sichtweise auf das Brotbrechen in Zeiten des „Priestermangels“?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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