Georg Plank·Vor 5 Monaten ·2 min. Lesedauer
Pfingstsonntag, 24.5.2026: „Alle, alle, alle! (Papst Franziskus)"
Wir alle begegnen Menschen, die sehr viel anders glauben als wir oder auch gar nicht (mehr), aus welchen Gründen immer....
Der brennende Dornbusch holt die Gottesbegegnung nachhaltig auf die Erde herunter, hinein in die Tiefen unseres Seins. Es ist eine ebenso dornige wie feuergefährliche Angelegenheit. Wir selbst könnten zu brennen beginnen.
Es gibt jedoch keinen Weg zu Gott ohne den „Umweg“ über die Menschen, und zwar ausnahmslos. Und vielleicht sind sie für diese grenzüberschreitende Begegnung sogar viel wichtiger als wir selbst, weil wir sonst nur zu leicht unser eigenes „Über-Ich“ mit seinen maßlosen Projektionen für „Gott“ halten. Der 1995 in Paris verstorbene litauisch-jüdische Philosoph Emmanuel Levinas hat nicht ohne Grund der modernen Autonomie des Subjektes und seinem überdimensionierten Ego die „unendliche Fremdheit“ des „anderen“ entgegengestellt. Denn er/sie ist immer schon vor mir da, und aus seinen/ihren Augen sieht mich nichts weniger als die gesamte „Menschheit“ an, verlangt von mir Respekt und Verantwortung. Eine solche Sichtweise von Personsein in Beziehung bringt uns dem Geheimnis einer Gottesbegegnung um vieles näher als alle Mutmaßungen über Schuld und Sühne. Vor allem bringt sie uns die anderen näher, macht uns richtig „beziehungsfit“ (wie Levinas mit seinem Leben authentisch gezeigt hat).
Die Gottesbegegnungen vom Sinai münden konsequenterweise in eine Magna charta für die gesamte Menschheit, der „göttlichen“ Weisung in den zehn Worten. Denn erst im Umgang mit der Schöpfung und den Mitmenschen zeigt sich, ob wir überhaupt irgendetwas von Gott verstanden haben oder nicht.
Quelle: Peter Trummer: „Ich bin das Licht der Welt“. Meditationen zu biblischen Ich-bin-Worten, Verlag Herder 2026, S. 64/65
Impuls: Bin ich bereit, meinem überdimensionierten Ego die „unendliche Fremdheit“ des „anderen“ entgegenzustellen? Wann und wie?
Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/
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Georg Plank·Vor 5 Monaten ·2 min. Lesedauer
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