Georg Plank

27.4.2026: „Jesus an der Brust des Vaters“

Der Evangelist Johannes beschreibt nicht den geografischen, sondern den transzendenten Weg Jesu: Er kam als wahres Licht und Wort in die Welt; er legte Gott, den niemand je gesehen hat, aus (dabei ist tatsächlich von Exegese die Rede: Joh 1,18), und zwar mit der Kompetenz eines, der an der Brust des Vaters ist (und zwar ständig). Solche Aussagen wollte die spätere Theologie gerne im Sinne einer Präexistenz Jesu und seiner dreifaltigen Göttlichkeit verstehen. Doch Johannes möchte dem Menschen Jesus ein authentisches Wissen um Gott zuschreiben, seine intime Nähe zu Gott vorstellen (dasselbe Motiv findet sich übrigens auch beim Lieblingsjünger: Joh 13,23). Und auch wir sollen einen vertrauensvollen Weg zum Vater finden, gleichsam an der Brust Jesu (und damit auch an der des Vaters) aufatmen, und dies nicht erst auf die Zeit nach dem Tod verschieben.
Dass Jesus sich in der Passion nicht demütigen oder um seine Würde bringen lassen muss hängt entscheidend damit zusammen, dass er seinen Weg in den Tod nicht als die Vernichtung, sondern als den Aufstieg zum Vater deuten kann.

Quelle: Peter Trummer: „Ich bin das Licht der Welt“. Meditationen zu biblischen Ich-bin-Worten, Verlag Herder 2026, S. 148

Impuls: Möchte ich heute einen vertrauensvollen Weg zum Vater finden, ja, gleichsam an der Brust Jesu (und damit auch an der des Vaters) aufatmen?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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