Georg Plank

9.5.2026: „Heilung und Vergebung „

Von besonderer Dramatik ist die Heilung, die wieder „im Haus“ in Kafarnaum erzählt wird, bei der ein „paralytischer“ Mensch, „von Vieren aufgehoben“, wegen der Volksmenge an der Tür nur durch das Dach vor Jesus hinabgelassen werden kann (Mk 2,1-12). Es ist die einzige Heilungsgeschichte, die mit einer Sündenvergebung kombiniert wird und die Anstrengung und den Erfindungsreichtum der Helfer:innen und einen trotz der Staub- und Lärmbelästigung gelassenen Jesus zeigt. Dabei ist die Lähmung aus seiner Sicht kein vordringlich medizinisches, sondern ein geistig-spirituelles Problem. Denn Schuld und Schuldgefühle schränken den Handlungsspielraum eines Menschen zunehmend ein. Umso wichtiger ist es, dass sie auch wirklich angesprochen und „aufgehoben“ werden. Und das ist ein sehr „göttlicher“ Akt, zu dem auch wir uns im Vaterunser verpflichten (Mt 6,12). Trotzdem reden einige Schriftgelehrte dabei von Blasphemie, weil es um (von ihnen) eifersüchtig gehütete religiöse Monopole geht. Jesus aber spricht davon, dass er als „Menschensohn“ (gemeint ist jeder einzelne Mensch), die (von innen kommende) Freiheit (ex-ousía) hat, Sünden „loszulassen“ (Mk 2,10f). Diese Freiheit wird meist mit „Vollmacht“ übersetzt, was aber in unserem Zusammenhang wenig Sinn ergibt. Denn es geht dabei vor allem um die (gemeinsame) Aufarbeitung der bewussten und unbewussten Schuldfragen (unter Einbeziehung der Familiengeschichte), die eine unbeschwerte Lebensgestaltung erst möglich macht.

Quelle: Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Verlag Herder 2026, S. 57/58

Impuls: Welche Schuld, die mir angetan wurde oder die ich anderen angetan habe, lähmt mich? Bin ich bereit, sie in Freiheit loszulassen?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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