Georg Plank

06.04.2026: „Das leere Grab“

Das Grab war von Anfang an leer, denn es wurde nur sein Leichnam ins Grab gelegt, nicht aber Jesus als Person und Ansprechpartner Gottes. Und an dieser Stelle schließt sich der Kreis: Auch in unseren Gräbern liegen längst nicht mehr unsere Lieben, sondern deren Leichen. Denn wir alle dürfen schon im Augenblick des Todes, und nicht erst irgendwann, die Begegnung von „Angesicht zu Angesicht“ (1 Kor 13,12) und damit die Vollendung in Gott erhoffen.

Dieser Leitstern ermöglicht uns, aufrecht auf den Tod zuzugehen und jetzt schon ganz Auferstehung zu leben. Wir können und müssen jeden Tag aufstehen, mutig und intelligent gegen alles auftreten und angehen, was nicht dem Leben dient, was nicht mehr echt, sondern nur noch Tradition oder Gewohnheit ist.

Doch es bedeutet meist eine intensive Trauerarbeit, bis wir unsere Toten als „Personen“ aus ihren Gräbern und unseren fest gemauerten Gedankengrüften herausrufen können, so wie es Jesus bei seinem toten Freund Lazarus macht und der „bleibend Tote“ (Joh 11,44: tethnēkős) herauskommt, um von seinen Fesseln und der Verhüllung seines Gesichts losgelöst zu werden und „weggehen“ zu dürfen, was im Sinne der johanneischen Theologie wohl seinen Weg zum Vater meint. (Deswegen darf auch Maria Magdalena Jesus nicht festhalten, weil er noch nicht zum Vater „auf-gegangen“ ist: Joh 20,17.)

Quelle: Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Verlag Herder 2026, S. 130

Impuls: Wie kann ich heute aufstehen, mutig und intelligent gegen alles auftreten und angehen, was nicht dem Leben dient?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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