Georg Plank

So, 17.5.2026: „Was willst du, dass ich dir tue?“

Auffällig bei der Heilung des Bartimäus ist, dass Jesus den Blinden ausdrücklich danach fragt: „Was willst du, dass ich dir tue?“ und sowohl seine Bitte als auch das Ergebnis (wie schon beim Blinden von Bet-saída) „aufschauen“ (ana-blépein) heißt und der Geheilte ihm dann auf dem Weg nachfolgt. Doch gerade bei den Blindenheilungen wird einsichtig, dass wir uns von unserer heutigen Terminologie weitgehend lösen müssen, um dem Sinn der biblischen Erzählungen näher zu kommen: Erkenntnis ist gefragt, nicht Optometrie. Und wir alle haben genügend blinde Flecken.

Wir tun also gut daran, die biblischen Aussagen möglichst ganzheitlich zu verstehen und die Heilungsgeschichten als Belege dafür zu werten, dass die Botschaft Jesu immer auch einen positiven Effekt auf Seele und Leib ausübt bzw. dass es ohne wirklich spürbare körperlich-seelische Erleichterungen eben nicht sein Evangelium sein kann (und die Kirche gerät in Erklärungsnotstand, wenn dieses ihr von Jesus anvertraute „therapeutische“ Charisma viel zu wenig durch sie wirksam wird). Es ist jedoch vor allem das Gottesbild Jesu, das Menschen neue Perspektiven „nach oben“ ermöglicht, sie seelisch und körperlich auf-richtet, sie Auferstehung schon jetzt im Alltag erleben und leben lässt und so auch jene „am letzten Tag“ (des Lebens: Joh 6,39f u. a.) glaubwürdig macht.

Quelle: Peter Trummer: Jesus ohne Opfer. Glaube, der befreit, Verlag Herder 2026, S. 62/63

Impuls: Wer oder was hilft mir, meine blinden Flecken wahrzunehmen und so tiefer zu erkennen?

Foto: Hans Waltersdorfer, Fotograf, christlicher Liedermacher und Theologe im Haus der Stille.
Mehr unter https://www.werkstatt-waltersdorfer.at/ und unter https://www.haus-der-stille.at/

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