In der Kirchengeschichte wurden immer wieder Persönlichkeiten verehrt und manche heiliggesprochen, die besonders erfolgreich waren. Oft hatte ihr Wirken mengenmäßig überdurchschnittliche, ja übermenschliche Wirkungen zur Folge.
Ich verdeutliche dies mit einigen Beispielen, die mit ihren schieren Zahlen beeindrucken.
Wie lässt sich etwa erklären, dass der Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert mehr als 1500 theologische Werke verfasste, in scheinbar unlösbaren kirchenpolitischen Konflikten vermittelte und „nebenbei“ in fast ganz Europa neue Abteien gründete? Bedenken Sie bitte, dass er dies alles unter für heutige Verhältnisse unvorstellbaren Rahmenbedingungen geleistet hat!
Oder denken Sie an die Vinzenzgemeinschaft, die heute mit etwa 60.000 Vinzenzkonferenzen und einer Million Mitgliedern eine der größten kirchlichen Laienorganisation der Welt ist. 1833 gründete der Student Frédéric Ozanam die erste Gruppe, man könnte sagen, so eine Art Caritasbruderschaft. Er war beseelt von dem Wunsch, inmitten der untragbaren sozialen Verhältnisse der Pariser Arbeiterschaft ganz für die Ärmsten da zu sein. Zwanzig Jahre später, er war inzwischen angesehener Universitätsprofessor und Gelehrter, starb er mit nur vierzig Jahren. Das Unglaubliche: Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits über 1000 lokale Vinzenzgemeinschaften – gegründet ohne Telefon, Internet oder schnelle Mobilität!
Noch ein Beispiel, diesmal aus dem 20. Jahrhundert: Chiara Lubich gründet mitten im 2. Weltkrieg die Fokolarbewegung, die über alles Trennende hinweg die Bedeutung der Einheit in den Mittelpunkt stellt. Im Todesjahr der Gründerin 2008 gibt es etwa 140.000 Mitglieder in 182 Ländern. Zwei Millionen Menschen aus unterschiedlichen Religionen und Kulturen stehen mit der Fokolarbewegung in Kontakt oder unterstützen weltweit unzählige soziale, friedensstiftende und interreligiöse Projekte.
Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Tipps: Vinzenzgemeinschaft und Fokolarbewegung
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Zu den genannten Beispielen möchte ich auch noch Don Bosco (1815-1888) als Lehrer, Pädagoge und Sozialarbeiter in Turin besonders für Jugendliche hinzufügen.
Seine Ordensgründungen – die Salesianer Don Boscos und die Don-Bosco-Schwestern – bemühen sich seit über 100 Jahren seine weltbewegenden Ideen umzusetzen.
Diese „übermenschlichen Auswirkungen“ sind m.E. nur mit außergewöhnlichem Gottvertrauen und vollem uneigennützigen, menschlichen Einsatz erklärbar.
Das wäre auch heute der „Schlüssel“ für eine bessere Welt.
Ad Bernhard: Typisch für Charismatiker. Und da gibt es viele, auch Don Bosco.
Als Schreiberin sind mir die 1.500 Bücher aufgefallen, die Bernhard geschrieben haben soll. Rein technisch: Für das Schreiben eines 100-Seiten starken Buches brauchte ein Mann 2 Monate ununterbrochener Arbeit. DAmals war ein Buch meist noch dicker.
Jahresleistung: 5 bis 6 Bücher, ohne Reisen, Klostergründungen usw. Wenn Bernhard mit 15 Jahren begann, Bücher zu schreiben, hatte er 48 Jahre Zeit, das wären 288 Bücher. Ohne Reisen usw.
Bernhard schrieb unzählige Traktate/kleinere Werke, unzählige Predigten/Sermones und Briefe (550 werden ihm zugeschrieben). Die Sermones hat Bernhard konzipiert, geschrieben haben sie andere. Hauptwerke gibt es nur acht.
Fazit: Wenn jedes Schriftstück als Buch bezeichnet wird, was falsch ist, kommt man vielleicht auf 1.500, inklusive jener Schriftstücke, die ihm zugeschrieben werden, aber nicht von ihm stammen. Nun kann man sagen, das ist wirklich wurscht, aber im Rahmen meines Unterrichts bei der Katholischen Medien Akademie reite ich immer drauf, dass Zahlen überprüft werden müssen. Was ich hier tat.
Ad Ozanam und Lubich:
Ich kann mir vorstellen:
Wenn in der Bevölkerung viele Menschen leben, die bestimmte Zustände ändern wollen, dann fällt ein Aufruf auf fruchtbaren Boden.
Frage: Was ist jetzt das, was die Menschen ändern wollen (ganz neu aus meiner Sicht: Sie wollen wieder Frieden in der Gesellschaft haben).
Die Zahlen sind schon beeindruckend. Bei detaillierter Betrachtung findet man dann die Helfer*innen auf allen Ebenen, die bei der Umsetzung und Verbreitung der Ideen und Projekte dabei waren. Das soll die Leistung der angesprochenen Personen nicht schmälern.
Eine kleine Schlagseite haben wir Katholik*innen, wir neigen ein wenig zur Heroisierung bei Menschen, die großes vollbracht haben. Somit übersieht man die beteiligten Mitmenschen in diesen Bewegungen.
Ein Aspekt bewegt mich in dieser Sache auch noch. Geht es bei den großen Dingen in der Kirche um die Botschaften, die dahinter stehen oder geht es um die Personen, die sie in ihrem Leben umgesetzt haben? Diese Frage hilft mir einer Verklärung großer geschichtlicher Personen vorzubeugen.
Ich spreche heute nicht von großen Zahlen, eher im Gegenteil. Ich erlebe Massenauszug aus dieser Kirche. Andererseits kommt etwas Neues zum Vorschein, was mir große Hoffnung und Freude macht: Menschen die sich intensiv mit dem Wort Gottes auseinander setzen und sich gegenseitig ihre (Glaubens-)Erfahrungen erzählen, im Bewusstsein der Botschaft Chiara Lubichs von der gegenseitigen Liebe als Grundlage des Christ- und Kirche-Seins. Sie erziehen die Priester und hauptberuflich Pastoralen zum authentischen Zeugnis geben – und damit dazu, den Menschen wirklich geistliche NAHRUNG zu geben.
Danke für den Blog! Danke für alle Beiträge dazu! Ich bin gerade dabei die Balken vor/in meinen Augen zu erkennen und zu beseitigen 🙂 damit wir mit unseren zukunftsweisenden Projekten rund um unsere Oberzeiringer Pfarre weiterkommen. Dieser Abstecher in eine ganz andere Welt hilft mir/ uns dabei sehr 🙂 Liebe Grüße und einen schönen Tag! Gertraud Enzinger