Georg Plank

Die Macht der Vor-Entscheidungen

(Inspiriert von Craig Groeschels „Think Ahead“ und „Lead Like It Matters“)

Entscheidungsmüdigkeit (Decision Fatigue) ist der lautlose Killer der Produktivität. Viele Führungskräfte ersticken förmlich in der Fülle von Entscheidungen, die sie andauernd treffen müssen. Oft handelt es dabei um unbedeutende Dinge, die ohne weiteres jemand anders entscheiden könnte. Aber aufgrund mangelnder Delegation, übersteigertem Kontrollwunsch oder schlechtem Zeitmanagement landen zu viele Fragen beim Chef oder der Chefin.

Die unausweichliche Folge: Je mehr kleine Entscheidungen wir über den Tag verteilt treffen müssen (Von „Was ziehe ich an?“ über „Wo und was esse ich?“ bis zu „Wie antworte ich auf diese kritische E-Mail?“), desto schlechter wird in der Regel die Qualität unsere strategischen Entscheidungen. Damit sind die Fragen gemeint, deren Antworten wirklich relevant sind für die Erreichung unserer Ziele.

Beispiele für Vor-Entscheidungen im Verkauf:

  1. Wertebasierte Vor-Entscheidungen: „Wenn Kund:innen unzufrieden sind, erstatten wir das Geld ohne Rückfragen bis zu Betrag X.“
  2. Persönliche Routinen: „Ich antworte auf E-Mails nur zwischen 11:00 und 12:00 Uhr.“
  3. Krisen-Protokolle: „Wenn die Verkaufszahlen um 10% sinken, stoppen wir sofort alle Marketing-Ausgaben für Projekt Y.“

Indem Sie das „Was wäre, wenn“ im Voraus klären, bewahren Sie Ihre mentale Energie für die wirklich komplexen Probleme. Führung bedeutet nicht, ständig im Feuerlösch-Modus zu sein, sondern durch kluge Systeme Brände zu verhindern, bevor sie entstehen.

 Und nun einige Beispiele für Vor-Entscheidungen im kirchlichen Bereich:

  1. Für die Zeit- und Selbstführung

Pfarrer und Pastor:innen sind oft „Getriebene“ ihres Terminkalenders. Vor-Entscheidungen schaffen hier Schutzräume.

  • Die „Sabbat-Regel“: „Egal wie groß die Krise ist, der Freitag (oder Montag) gehört meiner Familie und meiner persönlichen Erholung. Ich nehme an diesem Tag keine Termine wahr, außer bei Todesfällen.“
  • Die „Studienzeit“: „Mittwochvormittag ist für die Predigtvorbereitung und das Gebet reserviert. In dieser Zeit bleibt das Handy ausgeschaltet.“
  • Die „E-Mail-Schleuse“: „Ich bearbeite E-Mails nur zweimal am Tag (z. B. 11:00 und 16:00 Uhr). Ich antworte nicht sofort auf jede Benachrichtigung.“
  1. Für Liturgie und Gottesdienst

Oft wird im Team lange über Details diskutiert, die man ein Mal grundlegend klären könnte.

  • Liederwahl: „Bei Beerdigungen wählen wir standardmäßig drei Lieder aus einer Liste von 10 bewährten Klassikern aus, es sei denn, die Familie hat einen sehr spezifischen Wunsch.“
  • Technik-Check: „Wenn die Technik 15 Minuten vor Gottesdienstbeginn nicht läuft, wechseln wir sofort auf das akustische Backup-Szenario (z. B. Klavier statt Band, keine Projektion).“
  • Gastprediger:innen: „Wir laden nur Menschen ein, deren Werte mit unserer Vision übereinstimmen, auch wenn sie im Detail konträre Meinungen haben. Wir entscheiden nicht nach Sympathie, sondern nach missionarischer Passung.“
  1. Für das Team und Freiwillige

Um Frust bei Ehrenamtlichen zu vermeiden, helfen klare „Wenn-Dann“-Regeln.

  • Budget-Kompetenz: „Jede:r Bereichsleiter:in (z. B. Jugend, Chor, Caritas …) darf bis zu einem Betrag von 200 € eigenständig Entscheidungen treffen, ohne das Pfarrbüro zu fragen.“
  • Absage-Regel: „Wenn sich für eine Veranstaltung bis drei Tage vorher weniger als fünf Personen angemeldet haben, wird es automatisch abgesagt oder verschoben.“ Das spart die emotionale Debatte kurz vorher.
  • Konflikt-Protokoll: „Wir sprechen nicht über andere Teammitglieder, sondern nur mit ihnen. Wenn jemand zu mir kommt, um sich zu beschweren, ist meine erste Frage: ‚Hast du schon mit der betroffenen Person selbst gesprochen?‘“
  1. Für die Seelsorge

Seelsorge ist oft unvorhersehbar, aber der Umgang damit kann geregelt sein.

  • Hausbesuche: „Geburtstagsbesuche mache ich als Pfarrer:in persönlich nur zum 80., 85. und ab dem 90. jedes Jahr. Für alle anderen sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen des Besuchsdienstes zuständig.“
  • Notfälle: „Im Falle eines schweren Unfalls in der Gemeinde lasse ich alles stehen und liegen. In allen anderen Fällen (z. B. organisatorische Fragen) verweise ich auf die Bürozeiten.“

Wenn Sie diese oder ähnliche für Ihren Arbeitsbereich passende Vor-Entscheidungen dann treffen, wenn Sie „auf dem Berg“ sind (also bei klarer Sicht und Ruhe), müssen Sie sie nicht dann treffen, wenn Sie „im Tal“ (also unter Stress) sind. Das gibt Ihnen die Freiheit, Ihre Energie für die Menschen zu nutzen, statt sie an organisatorische Kleinkämpfe zu verlieren.

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Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

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