(Inspiriert von Carey Nieuwhofs Analysen zu Trends)
Carey Nieuwhof warnt Führungskräfte oft davor, sich in ihre Methoden zu verlieben. Er sagt: „Verliebe dich in die Mission, nicht in Methoden bzw. das Modell.“ Der Grund, warum viele Unternehmen und Organisationen scheitern, ist nicht, dass ihre Mission falsch ist, sondern dass sie an einem Modell festhalten, das in der heutigen Welt (wir schreiben das Jahr 2026!) nicht mehr funktioniert.
Führung in Zeiten des Wandels erfordert zwei Dinge:
- Radikale Relevanz: Sie müssen bereit sein, Dinge abzuschaffen, die früher einmal funktioniert haben. Nieuwhof nennt das „Disrupting Yourself“. Wenn Sie sich nicht selbst disrumpieren, also nicht bereit sind, Liebgewordenes loszulassen oder dysfunktionale Gewohnheiten zu beenden, wird es der Markt, die Konkurrenz oder die allgemeine gesellschaftliche Entwicklung für Sie tun.
- Psychologische Sicherheit: In Krisenzeiten suchen Menschen Sicherheit. Da Sie kaum äußere Sicherheit bzw. Garantien bieten können, müssen Sie innere Sicherheit, also Präsenz und Klarheit bieten.
Veränderung tut weh, weil sie Verlust bedeutet – den Verlust des Bekannten. Als Führungskraft ist es Ihre Aufgabe, die Brücke zu schlagen: Erklären Sie nicht nur, was sich ändert, sondern vor allem, warum Veränderungen notwendig sind, um die ursprüngliche Mission zu retten. Denn wer den Wandel ignoriert, wird zum Museumswärter einer vergangenen Ära.
Ein Beispiel aus meiner Praxis: In den LIVT-Kursen zur Gemeindevitalisierung werden wiederkehrende Prozesse wie Erstkommunion- oder Firmvorbereitung so innoviert, dass viele Beteiligte – Kinder, Jugendliche, Eltern, Paten und Mitarbeiter:innen – die gemeinsame Zeit als so wertvoll erleben, dass sie nach der Feier weitermachen wollen – auf für sie passende und oft überraschende Weise. Damit begegnen wir der Frustration vieler Engagierter, dass trotz vieler Bemühungen „danach“ kaum nachhaltige Wirkungen spürbar sind.
Im kirchlichen Bereich erlebe ich oft eine starke Sehnsucht nach Modellen, die helfen sollen, aktuelle Krisenphänomene „erstaunlich leicht“ zu lösen. Zum Beispiel glauben manche, den Weg unserer Partnerpfarrgemeinde aus Baltimore, der unter dem Begriff „Rebuilt“ bekanntgeworden ist, als Modell nehmen zu können. Das funktioniert natürlich selten. Viel sinnvoller ist es, die ihrem Erfolgsweg zugrundeliegenden Prinzipien zu verstehen und auf den jeweiligen Kontext anzuwenden.
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