Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich
Georg Plank

Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich

Wer die erfolgreichsten Schirennläufer:innen aller Zeiten wie Lindsey Vonn, Mikaela Shiffrin, Hermann Meier oder Marcel Hirscher fragen würde, wie bei ihnen alles begonnen hat, würde zu hören bekommen: „Als Kind habe ich tolle Schifahrer:innen gesehen und wollte das unbedingt auch machen. Mir hat es voll getaugt und dann bin ich immer ehrgeiziger geworden …“ Ja, Kinder beobachten etwas oder jemanden, sind fasziniert und wollen es einfach nachmachen, oder genauer gesagt: selbst machen! Das gilt für Sport, Musik oder Handwerk und auch für Wissenschaften. Gilt es auch für den Glauben und die Kirchen?

Die Begründerin der Kinderanalyse Anna Freud forschte ihr Leben lang über die seelische Entwicklung von Kindern. Sie fand auch heraus, wie zentral es für die Heilung von Erwachsenen sei, durch die analytische Therapie das Kind in sich neu zu entdecken.

Das Wort Jesu „Wenn ihr nicht umkehrt und wie die Kinder werdet, könnt ihr nicht in das Himmelreich kommen.“ (Mt 18,3) birgt also viele Weisheiten in sich. Tatsächlich gilt es auch für Innovationen. So bedeutet „umkehren“, den verführerischen Weg des Stolzes, der Resignation, der Depression, des Neids und der Selbstbezogenheit zu verlassen und eine neue Richtung einzuschlagen. Neugierig und hoffnungsvoll wie Kinder lassen sich engagierte Menschen dann faszinieren von erfolgreichen Vorbildern. Von diesen kann man lernen, dass es keine „Wunderwuzzis“ braucht, sondern Menschen, die lernen wollen, so wie Kinder: Durch Miterleben, Faszination und Nachmachen. Kinder wollen etwas selbst ausprobieren. Wenn sie scheitern, geben sie nicht auf, sondern versuchen es wieder und wieder. Nur so können sie laufen, sprechen etc. lernen.

Keine:r kann oder weiß alles, und keine:r kann oder weiß nichts. Dieses konstitutive Prinzip stand am Beginn der Herausbildung von lokalen christlichen Gemeinden, die man später Kirchen nannte. Offenbar war es ein entscheidender Erfolgsfaktor, um die schwierigen Anfangsjahre unter extrem ungünstigen Rahmenbedingungen zu überstehen.

Ähnlich verhält es sich mit allen wegweisenden Ideen und erfolgreichen Innovationen, die die Menschheitsgeschichte prägen: Sie sind nie unter optimalen Bedingungen entstanden. Sie mussten immer lernen, mit Gegenwind in unterschiedlichsten Formen umzugehen. Sie waren Frucht von Menschen, die wie Kinder es einfach versucht haben, als alle noch meinten: Das geht doch nie!

In den aktuellen Umbrüchen der großen verfassten Kirchen braucht es diese Haltung, damit inmitten der sterbenden Urwaldriesen das Neue sprießen und sich entfalten kann.

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