Protofeminist Urmensch
Georg Plank

Protofeminist Urmensch

Wie gewalttätig waren unsere Vorfahren? Laut Bregman bestätigen Anthropolog:innen, dass  sich in prähistorischen Tagen von Zeit zu Zeit Tötungen ereignet haben. Wenn jemand sich präpotent, unsozial oder aggressiv verhielt, rechnete die Gruppe mit ihm ab. „So domestizierte der Mensch sich selbst. Eine Führungsposition war unter Jägern und Sammlern zeitlich beschränkt, und die Entscheidungen wurden gemeinsam getroffen. Jeder, der sich so verhielt, wie Machiavelli es später vorschreiben würde, hätte sich unweigerlich in Lebensgefahr gebracht. Egoisten wurden ausgeschlossen und liefen Gefahr zu verhungern. Niemand wollte Nahrung mit Menschen teilen, die nur an sich selbst dachten.“ Beliebte Eigenschaften von prähistorischen Führungsleuten waren: großzügig, charismatisch, unparteiisch, offen, nett, tapfer, zuverlässig, enthusiastisch, stark, ruhig und bescheiden.

„Dass das Verhalten der Menschen eher dem der Bonobos als dem von Schimpansen ähnelt, zeigt sich auch an unserer natürlichen Abneigung gegen Ungleichheit. Schon Kinder ab drei Jahren teilen sich ehrlich einen Kuchen. Sechsjährige würden lieber einen Teil davon wegwerfen, als dass jemand ein größeres Stück bekommt. Wie Bonobos teilen die Menschen gerne und viel. Natürlich sollten wir solche Ergebnisse nicht überbewerten. Der Homo puppy ist kein geborener Kommunist. Ein bisschen Ungleichheit finden wir prima, betonen Psychologen, solange sie sich auf etwas gründet. Solange es fair zu sein scheint.“

In diesem Zusammenhang spannend: „Für den größten Teil unserer (Vor-)Geschichte waren Männer und Frauen dann auch so gut wie gleichberechtigt. Natürlich, das stereotype Bild des Urmenschen ist das eines pelzigen Gorillas mit einer Keule, der nicht lange fackelt. Aber der Urmensch war wahrscheinlich kein Macho. Er war eher ein Protofeminist, ein Feminist der allerersten Stunde. Wissenschaftler vermuten, dass die Gleichstellung der Geschlechter einen entscheidenden Vorteil gegenüber anderen menschlichen Spezies wie den Neandertalern darstellte. Die Feldforschung hat nämlich zutage gefördert, dass Männer, wenn sie die alleinige Kontrolle haben, hauptsächlich mit ihren Brüdern und Cousins Umgang pflegen. Aber wenn Frauen mitentscheiden, bekommen die Menschen ein vielfältigeres soziales Netzwerk. Und wer mehr Freunde hat, ist letztendlich auch schlauer.“

Die Gleichstellung der Geschlechter spiegelte sich auch in der Bildung wider. Männer in primitiven Gesellschaften verbrachten (und verbringen) mehr Zeit mit ihren Kindern als heutige Väter. Die Erziehung von Kindern wurde als gemeinsame Verantwortung angesehen. Babys wurden von allen versorgt und manchmal von mehreren Frauen gestillt. Während Eltern heutzutage ihrem Nachwuchs einschärfen, Fremden zu misstrauen, wurde in prähistorischen Zeiten Vertrauen förmlich mit der Muttermilch aufgesogen.

Es gibt ebenfalls starke Anzeichen dafür, dass das Liebesleben der Jäger und Sammler ziemlich entspannt gewesen sein muss.

Ein Missionar aus dem 17. Jahrhundert warnte einen Mann vom Stamm der Innu im heutigen Kanada vor den Gefahren der ehelichen Untreue. Dieser antwortete: „Ihr seid nicht sehr weise. Ihr Franzosen liebt nur eure eigenen Kinder; wir lieben alle Kinder unseres Stammes!“

Foto: Ausstellung „Les journées photographiques de Léhon – Renaissance du vivant“ des Léhon Audio Photoclubs in der Bretagne im Sommer 2023

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