Treibhausgase – hausgemacht und toxisch
Georg Plank

Treibhausgase – hausgemacht und toxisch

In der Klimaforschung spielen Treibhausgase eine große Rolle. Wissenschaftler:innen unterscheiden zwischen natürlichen Treibhausgasen und anthropogenen, also vom Menschen vor allem durch die Verbrennung fossiler Energieträger und die Zerstörung von Naturräumen verursachten. So ist der CO2 Anteil aktuell höher als in den letzten 800.000 Jahren und bekanntlich seit der Industriellen Revolution fast exponentiell gestiegen. Als ich vor 20 Jahren Davis Guggenheims Dokumentarfilm „An Inconvenient Truth“ mit Al Gore sah, wurde ein CO2– Anteil von 300ppm („parts per million“) prophezeit. Mittlerweile halten wir bereits bei über 400ppm und der jährlich verursachte Ausstoß steigt weltweit trotz globaler Klimakonferenzen nach wie vor.

In Analogie dazu kann man sich fragen, welche hausgemachten und toxischen Anteile sich in der Kirchengeschichte angesammelt haben und nach wie vor wirken. Gerade Menschen, die sich in Kirchen engagieren, werden immer wieder mit Themen konfrontiert wie Zwangsmissionierung, Ketzerverfolgungen, Hexenverbrennungen oder der oft unseligen Verzahnung von kirchlicher und weltlicher Macht auf Kosten der Armen und Entrechteten (denken Sie an die jahrhundertelangen sogenannten „Bauernkriege“ mit entsetzlichen Grausamkeiten).

Lange Zeit dachte ich: Gott sei Dank sind diese furchtbaren Zeiten vorbei. Ich würde sonst nicht mein Leben und Arbeiten der Kirche widmen.

Bücher wie die „Gottesvergiftung“ von Tilman Moser oder Publikationen von Eugen Drewermann machten mir bewusst, dass es auch in modernen Zeiten dysfunktionale Haltungen und Handlungen kirchlicher Institutionen und Personen gibt, die schwere Auswirkungen auf die persönliche Freiheit und das Wohlbefinden von Menschen haben. Ich war irritiert und begann, mein kirchliches Umfeld kritischer zu betrachten und auch die eigenen Motive für mein Engagement zu hinterfragen und zu reflektieren.

Das Bekanntwerden vielfachen sexuellen und geistlichen Missbrauchs in nahezu allen Kirchen und Ländern und der weithin blamable Umgang mit dieser himmelschreienden Schuld löste die Frage aus: Sind es wirklich nur lang vergangene „historische Sünden“, die Kirchen und ihre Botschaft für so viele Menschen unattraktiv, ja abstoßend machen?

Wo gibt es auch heute Formen schwarzer Pädagogik, manipulativer Praktiken oder vielgestaltigen Missbrauchs, die unter dem Deckmantel des Glaubens die Botschaft Jesu konterkarieren und pervertieren? Kann es sein, dass sich diese „giftigen Gase“ nach wie vor ansammeln und immer extremere Auswirkungen zeigen?

Zwei Gesichtspunkte sind mir besonders wichtig geworden:

  • Ehrlich hinschauen, um die Diskrepanzen zwischen Ideal und Wirklichkeit wahrnehmen und ihre Verleugnung bekämpfen zu können.
  • Der mangelnden Einsicht durch Umkehr und tätige Reue begegnen, sowohl bei mir selbst als auch dort, wo ich Kirche mitgestalten darf.

Die großen Vergebungsbitten, die Papst Johannes Paul II anlässlich der Jahrtausendwende vor genau 25 Jahren ausgesprochen hat, halte ich daher für ein nachhaltiges Zeichen. Es war ein schlichtes Fürbittgebet, aber es war einer der Höhepunkte des Heiligen Jahres 2000. In einem nüchternen Zeremoniell sprach der damals bereits schwerkranke Papst zu Beginn der Fastenzeit ein Schuldbekenntnis und eine Vergebungsbitte für Sünden von Katholik:innen in der Geschichte. Im Namen der Kirche entschuldigte er sich vor Gott für Fehlleistungen von Gläubigen gegen Toleranz, Ökumene, gegen Frieden und Menschenrechte und gegen die Würde der Frau. Besonders eindringlich war das Schuldbekenntnis im Verhältnis zu den Juden und Jüdinnen.

Der Papst und sieben Kurienkardinäle – unter ihnen Joseph Ratzinger von der Glaubenskongregation und der langjährige „Krisenminister“ Roger Etchegaray – sprachen von „Methoden der Intoleranz“, zu denen Gläubige beim Einsatz für die Wahrheit griffen. Sie beklagten, dass Katholik:innen statt der von Gott gewünschten Einheit Gegensätze und Spaltungen geschaffen hätten. Dass sie allzu oft der „Logik der Gewalt“ nachgegeben, Stämme und Völker diskriminiert, ihre Kulturen und religiösen Traditionen verachtet und ihre Rechte verletzt hätten. Sie riefen zu Versöhnung, Reue, Umkehr und Neuanfang auf.

Dieser „Tag der Vergebung“ markierte auch für mich den dringend notwendigen Übergang vom Triumphalismus zum Nachdenken, vom Absolutismus zur Demut.

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Ein Kommentar
  1. Ja, Vergebungsbitte ist ein erster Schritt. Wo aber wenig Sichtbares weitergeht ist die grundlegende Struktur und die rechtliche Verfasstheit der Kirche. Somit sind dann gute Entwicklungen leider sehr gebremst.

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