Zeichnung eines Paares in warmer Umarmung, dominiert von Gelb und Orange
Georg Plank

Warum traditionelle Planungsansätze an Grenzen stoßen

Der Illusion der vollständigen Kontrolle begegnen wir in der pastoralen Praxis oft in einem Planungsideal, das ursprünglich aus der industriellen Welt stammt: Manager analysieren die Situation, setzen Ziele, planen detailliert, entscheiden und setzen dann um beziehungsweise ordnen die Umsetzung an.

Dieser Ansatz hat seinen Wert bei klar definierten Aufgaben und kann zum Beispiel bei der Organisation eines Pfarrfests, der Planung wiederkehrender Prozesse oder der Renovierung des Gemeindehauses erfolgreich angewandt werden.

Aber wie sieht es bei all den tiefgreifenden Veränderungsprozessen aus, denen alle Kirchen im deutschsprachigen Raum mit großem Aufwand zu begegnen suchen?  Denken Sie an die Neuordnung historisch gewachsener Strukturen, die Etablierung neuer Betätigungs- und Berufsfelder, die Zukunftsfähigkeit von Ordenseinrichtungen angesichts von Nachwuchsmangel oder ganz einfach die Entwicklung neuer lebendiger Gemeinschaften in digitalen Zeiten. Da stößt dieser „tayloristische Ansatz“ an seine Grenzen: Denn niemals können alle relevanten Faktoren erfasst und geplant werden. Die vielen beteiligten Menschen reagieren unterschiedlich und unvorhersehbar und müssen aktiv beteiligt werden. Und auch der Kontext verändert sich laufend, auch während all der aufwändigen Prozesse. Das Wirken des Heiligen Geistes ist aber größer, überraschender und energievoller als jeder Projektplan.

So scheitern viele Pläne. Warum kann das nicht nur schmerzhaft, sondern auch wertvoll sein?

Scheitern wird meist als Misserfolg empfunden und trotz dem steigenden Bekenntnis zu einer „Fehlerkultur“ auch so bewertet. Doch gerade in diesen krisenhaften Momenten könnte sich die besondere Qualität kirchlicher Gemeinschaften zeigen, die sich am Vorbild Jesu orientieren. Sie nehmen sich die Emmausjünger als Vorbild, die traurig von Jerusalem in ihr Heimatdorf unterwegs waren: Ihr „Plan“ – wie immer sie sich diesen vorgestellt hatten, war krachend gescheitert, als Jesus am Kreuz hingerichtet wurde und als Verfluchter starb. Doch gerade in ihrer Enttäuschung begegnete ihnen der Auferstandene auf eine liebevolle und mächtige Weise, die bis heute nicht nur „Kirche“ konstituiert („sie erkannten ihn am Brotbrechen“), sondern viele Herzen berührt und verändert.

Für mich bietet diese in die Weltliteratur eingegangene Geschichte weitere Analogien:

  1. Nicht in Jerusalem, quasi in der Zentrale, fand die erlösende Begegnung statt, sondern im Heimatdorf, ja im Haus der zwei Jünger: Ein Hinweis auf weniger „top-down“ und mehr „bottom-up“ bei Planungen und Strukturprozessen?
  2. Beim Brotbrechen erkannten sie ihn: Ein Hinweis darauf, dass die Feier des Abendmahls bzw. der Eucharistie gelebte, erlebte und erlösende Praxis sein soll, auch dort, wo aktuelle einschränkende Regelungen die Verwirklichung des Auftrags Jesu verhindern
  3. Nicht bei Sitzungen, sondern im gemeinsamen Unterwegssein und im empathischen Dialog erschloss sich das Erlebte, das Schöne und das Furchtbare, das Logische und das Verborgene: Ein Hinweis darauf, dass Beweglichkeit der Schlüssel ist, der sich immer auch leiblich erfahrbar konkretisieren muss. Pilgern mit dem Finger auf der Landkarte funktioniert nicht.

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Gründer Georg Plank veröffentlicht wöchentlich Impulse für mehr Innovationen in christlichem Spirit und freut sich über zahlreiches Feedback. In Zukunft planen wir weitere Blogs durch unsere Referenten und Ecclesiopreneure.

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