Fundamentalisten
Georg Plank

Fundamentalisten

In seinem grandiosen Buch „Israel, um Himmels willen, Israel“, schreibt der Hamburger Jude Ralph Giordano: „Glaubenslos und nach Auschwitz religionsunfähig, habe ich doch Stunde um Stunde in der heiligen Grabeskirche zugebracht. Mich hat geschaudert bei dem Gedanken, daß all diese Inbrunst um mich herum, alle diese heißen Gebete ans Nichts adressiert sind und nie einen Empfänger hatten noch haben werden. Weil eben Gott nicht den Menschen, sondern der Mensch Gott nach seinem Ebenbild schuf.“

Und weiter: „Gleichzeitig entdeckte ich in mir wieder die Gewißheit, daß Religion zur Verfassung des Menschen gehört, und daß mein Respekt und meine Achtung vor dem Glauben gewachsen sind – wenn er den Menschen nicht versehrt! Das Unglück sind die Fundamentalisten jeder Couleur, auch die atheistischen!“

Wie tief dieser Agnostiker und welterfahrene Fernsehjournalist das Phänomen Religion erfaßt hat! Religion kann den Menschen tatsächlich in eine echte Freiheit und Größe führen, weil sie eben das ist, was jeden Menschen in seiner Tiefe berührt.

Religion kann andererseits leider auch zu menschenmordender Intoleranz, zu Borniertheit und zu Mord und Totschlag führen, wenn sie in Geistlosigkeit und Buchstabengläubigkeit erstarrt.

Quelle: Josef Fink: Gott im Alltag, S.248, Weishaupt Verlag, vgl. https://www.weishaupt.at/?area=1&x=5&y=12&s=Josef+Fink

Impuls: Wie schütze ich mich vor fundamentalistischen Vereinfachungen und Versuchungen?

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