Leibfeindlichkeit der Christen
Georg Plank

Leibfeindlichkeit der Christen

In unserer Zeit wird sehr oft das Christentum mit seiner vermeintlich leibfeindlichen Haltung für viele Neurosen, Verklemmungen und Ängste der Menschen verantwortlich gemacht. Es mag sein, daß daran etwas Wahres ist. Doch ist dies keineswegs die ganze Wahrheit.

Die Kirche der Frühe war wie geblendet von der Tatsache, daß Gott, der Große, der Allmächtige und ganz Andere, einen menschlichen Leib annahm in Jesus aus Nazareth. Daß er einen Leib annahm, der gleich tastbar, spürbar und verletzbar war wie jeder menschliche Leib. Daß durch diesen Leib in der Reinheit, die Jesus ihm gab, aber auch eine Norm für jeden menschlichen Leib gegeben wurde. Und was war natürlicher als die Empfindung, daß die Menschen mit ihren erdschweren, sündigen Leibern dieser Norm nicht gewachsen sind? Wer erfährt nicht täglich, ob Christ oder nicht, die Willigkeit des Geistes, besser zu werden, aber zugleich die Schwäche des Fleisches, die dem Besserwerden entgegensteht?

Nein und noch einmal Nein, die Kirche hat den Leib nicht diffamiert, sie hat ihn nicht abgelehnt, aber sie hat gewußt um die Erdschwere dieser Menschenleiber, hat gewußt um ihre Unreinheit und Krankheiten.

Nein, die Kirche ist nicht leibfeindlich! Oder ist der leibfeindlich, der den Leib reinigen und gesund machen möchte, der ihn deshalb wäscht und zum Arzt schickt?

Quelle: Josef Fink: Gott ist jung, S.22, Weishaupt Verlag, vgl. https://www.weishaupt.at/?area=1&x=5&y=12&s=Josef+Fink

Impuls: Wie möchte ich meinen Leib als Geschenk und Tempel des Heiligen Geistes dankbar ehren?

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